Gastvortrag von OM Horst Weise, DL4SBK, aus P06 zum Thema „Digital Radio Mondiale (DRM)“ ---------------------------------------------------------------------------------------- Mit einer Beamerpräsentation stellt Horst Weise den Anwesenden das etwa seit Mitte 2003 in Betrieb gegangene Digital Radio Mondiale (DRM) vor. Nach diesem Standard werden seitdem im Mittel- und Kurzwellenbereich digitale Signale ausgestrahlt. Programme in diesen Bereichen wurden wegen ihrer schlechten Klangqualität immer mehr vernachlässigt. Die Versorgung der Bevölkerung mit Nachrichten und Musik findet heute fast durchweg über den UKW-FM-Rundfunk statt. Obwohl bereits jetzt eine große Programmvielfalt durch UKW-, Kabel- oder Satellitenempfang besteht und die alten Empfänger nicht für DRM geeignet sind, sprechen doch auch einige Punkte für diese Neuerung: Mit DRM können rauschfreie Hörfunkprogramme über Kurz-, Mittel- und Langwelle ausgestrahlt werden. Die bereits vorhandene und kaum mehr genutzte Senderinfrastruktur kann nach einigen Änderungen weiter verwendet werden. Im Vergleich zu UKW können mit wenigen Sendern große Reichweiten erzielt werden. Interessenten für neue Programmketten sind durchaus vorhanden. DRM kann also grob gesagt die bestehenden aber wenig benutzten Frequenzbänder MW und KW weiter nutzen, den bisherigen Kanalabstand und die bisher üblichen Bandbreiten beibehalten, und mit wenigen Sendern und geringer Sendeleistung eine bessere Tonqualität bieten. Auch Zusatzinfos wie Texte, Daten oder Bilder können mitübertragen werden. Etliche Sendeanstalten wie z.B. die Deutsche Welle, RTL oder BBC, sind bereits auf den Bändern zu hören. Ausführlich geht OM Weise auf Einzelheiten der Modulationsverfahren, der Audiokodierung und der Datenstruktur bei DRM ein. Auf eine Trägerfrequenz werden die digitalisierten Audiodaten aufmoduliert. Für den Empfänger ist dann nur noch der Signalrauschabstand von Bedeutung. 15 dB sind notwendig um einen stabilen Empfang zu garantieren. Ist das Signal über einem bestimmten Schwellenwert, ist es rauschfrei, sinkt es darunter, verschwindet es ganz. Die von analogen Übertragungen bekannten Signalschwankungen gibt es nicht. Neue Datenkompressionsverfahren ermöglichen die Übertragung einer Datenrate von 20kBit/s bei einer Audiobandbreite von 15 kHz und den üblichen Bandbreiten von 9kHz bei MW und 10 kHz bei KW. Im Empfänger müssen eventuell aufgetretene Übertragungsfehler durch komplizierte Algorithmen korrigiert werden. Horst Weise stellt im Bild einige erhältliche DRM-taugliche Empfänger vor, z.B. Mayah 2010 (799€), oder die Bausätze DRT1 (299€) und Digital World Traveller (235€), die zur Dekodierung allerdings eine spezielle Software auf dem PC benötigen. Weitere Bausätze gibt es von „Elektor“ (ca. 80€), oder den DRM-RX vom Verlag „Funkamateur“ (12€), mit dem RTL empfangen werden kann. An Software erwähnt OM Weise „DRM Software Radio“ von Fraunhofer/Berlin (60€) und „DreaM“ von der TU Darmstadt, das kostenlos aus dem Internet bezogen werden kann. Im Heft 10 des AATiS wurde zudem die Bauanleitung eines DRM-Empfängers angekündigt. Ein im Anschluss daran gezeigtes englischsprachiges Werbevideo von RTL zeigt die Entwicklung des Rundfunks bis zum heutigen Stand mit DRM. Mit einem DRM-Empfänger an einer kurzen Drahtantenne führt OM Weise den Empfang der DW auf 3995 kHz vor. Das Signal ist rauschfrei und nicht mit den gewohnten Signalen auf der Kurzwelle zu vergleichen. Mit Hilfe des PCs und der Software „DreaM“ können alle Anwesenden sehr schön das digitale Signal und den Abstand zum Rauschen beobachten und mit dem aktuellen Klangbild aus dem Empfänger vergleichen. Der Referent verweist zum Ende seines Vortrages auf eine Seite im Internet, auf der weitere Infos und Links zum Thema zu finden sind: www.p06.de/drm. Danach beantwortet er Fragen der Zuhörer nach der Zukunft von DRM. Ähnlich wie beim Projekt DAB (Digital Audio Broadcasting) wird nach Meinung von Horst Weise letztendlich der Konsument über die Weiterentwicklung entscheiden. In England sei der Start bereits sehr erfolgversprechend verlaufen. (Quelle: http://www.darc.de/distrikte/p/05/Protokolle/Protokolle-2005/04/)