Chronik des Amateurfunks in Deutschland und im Bereich Köln-Aachen

von Heinz Schifferdecker, DL7AC und Horst Ellgering, DL9MH, © 1991

für das Internet aufbereitet von Manfred May, DJ1KF (neu bearbeitet von DO1KXL)


Übersicht:

DieAutoren
Vorwort
Impressum
Einfuehrung
Entwicklung des Amateurfunks in Deutschland von 1919 bis 1951
Entwicklungdes Amateurfunks im Distrikt Koeln-Aachen von 1924 bis 1951
Ortsverbaende im Distrikt Koeln-Aachen
Jubilaeumstage im Distrikt Koeln-Aachen
Leitende OM im Distrikt Koeln-Aachen (und Vorgaenger) seit 1927
Praesidenten der Amateurfunkverbaende ab 1925
Mitgliederliste LG 5 des DFTV eV/DASD 1925 bis 1933
Mitgliederliste LG I des DASD eV 1933 bis 1939
Dokumente aus der Festschrift "70 Jahre Amateurfunk in Siegburg"
TV-AMATEUR-Artikel "ATV-Pioniere im Rheinland"
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Die Autoren:

Dipl.-Ing. Heinz Schifferdecker, DL7AC,

geboren am 16. Mai 1914 in Mannheim, Abitur 1934 in Ludwigshafen, Studium Maschinenbau und Elektrotechnik an der TH Karlsruhe. Entwicklungsingenieur im Zentrallabor der Firma Telefunken in Berlin, 1953 Wechsel zu Rohde und Schwarz. 1954 Leitung der Niederlassung dieser Firma in Koeln, ab 1963 bis zur Pensionierung Leiter des Dienstleistungsbetriebes von R&S fuer elektronische Nachrichtentechnik und Messtechnik in Koeln. Schifferdecker begann Ende 1925 mit dem Bau von Radios und wandte sich bald der Kurzwelle zu. 1930 bis 1933 als Mitglied des Sueddeutschen Radio Clubs fuer die Funkwacht in Bayern taetig. 1933 mit DE-Nr. 1980 Gruendungs mitglied der DASD-Ortsgruppe Ludwigshafen. Nach dem Krieg in Berlin Lizensierung unter dem Rufzeichen DL7AC. 1961 bis 1963 Vorsitzender des DARC-OV Koeln (G10), 1963 bis 1969 Vorsitzender des DARC- Distrikts Koeln- Aachen, danach einige Zeit technischer Referent des DARC, seit Anfang 1991 erneut OVV G10. Seit seiner Pensionierung 1980 arbeitet DL7AC daran, die in Vergessenheit geratende Geschichte des Amateurfunks zu sammeln und niederzuschreiben. Er richtete hierfuer in seinem Hause das "Radio Zentral Archiv" (RZA) ein. 

Dr. Horst Ellgering, DL9MH,

geboren am 4. Juni 1932 in Duisburg, Abitur 1952 in Bonn, Studium der Physik in Bonn. Als Diplomphysiker nach einem Jahr Industrie Forschungstaetigkeit am Kernforschungszentrum Karlsruhe. 1965 bis 1967 Zweitstudium (Wirtschaftswissenschaften, Organisation) in Mannheim, danach Vorstandsassistent am Kernforschungszentrum Karlsruhe. 1970 Wechsel zur Deutschen Forschungsanstalt fuer Luftund Raumfahrt in Koeln. Dort derzeit Geschaeftsfuehrer des wissenschaftlich-technischen Rates. Auch Ellgering begann als Radiobastler (1943), stiess dann 1947 auf den Amateurfunk. 1951 Lizenz als Mitglied des DARC-OV Bonn, in den 60er Jahren Mobilfunkreferent des Distrikts Baden. 1985 bis 1987 stellvertretender DV Koeln-Aachen, seit 1987 Vorsitzender dieses DARC-Distrikts. DL9MH beschaeftigt sich mit Zukunfts- und Organisationsfragen des Amateurfunks und fuehrt Amateurfunkprojekte in der Raumfahrt durch (Spacelab D1, D-2, MIR-92).

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Vorwort

In diesem Jahre wird der Amateurfunk als offizielle, private Beschaeftigung mit der Kurz- und Ultrakurzwellensende- und Empfangstechnik 66 Jahre alt. 

Seine offizielle Existenz begann mit der Gruendung des Deutschen Funktechnischen Verbandes (DFTV) am 28. Juli 1925 in Muenchen. Wenig spaeter, im Januar 1926 entstand auch die erste Kurzwellengruppe in Koeln. 

66 Jahre sind keine allzu lange Zeit. Dennoch ist nur wenigen Funkamateuren etwas aus den Gruenderjahren ihres Hobbies bekannt. Das wird verstaendlich, wenn man sich vor Augen fuehrt, wie klein die Zahl derer war, die vor 1951 Amateurfunk betrieben.

Das uns bekannte, stuermische Wachstum der Zahl der Funkamateure wurde erst durch unser liberales Amateurfunkgesetz von 1949 moeglich. Wer sich ernsthaft mit den Urspruengen des Amateurfunks beschaeftigen moechte, steht vor keiner leichten Aufgabe. 

Recht wenig ist aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg ueberliefert, und von dem wenigen geht immer mehr verloren. Diese Erkenntnis fuehrte zur Gruendung des Radio Zentral-Archivs (RZA) in Koeln, einer privaten und ohne fremde, materielle Unterstuetzung betriebenen Sammlung historischer Fakten und Unterlagen aus der Geschichte des Amateurfunks durch einen Funkamateur der ersten Stunden. 

Diese Chronik ist aus den Unterlagen des RZA entstanden. Das Werk beschaeftigt sich mit der Entwicklung des Amateurfunks im Bereich des heutigen DARC-Distriktes Koeln-Aachen. Eine Beschaeftigung ausschliesslich mit diesem Raum indes wuerde zu lueckenhafter und manchmal schwer verstaendlicher Information fuehren. Die Entwicklung im Raum Koeln- Aachen ist daher eingebettet in eine Gesamtdarstellung der Entwicklung des Amateurfunks in Deutschland. 

Zur Zeit werden im DARC viele 40-jaehrige Jubilaeen gefeiert. Gelegentlich entstehen zu diesen Anlaessen auch Chroniken, die eine Rueckschau auf die vergangenen 40 Jahre bieten. Die vorliegende Chronik greift weiter zurueck. Sie beschreibt die Jahre vom Start des Amateurfunks bis zum Jahre 1951, also bis kurz nach Gruendung des DARC. Sie soll die Geschehnisse jener Zeit festhalten, bevor das Wissen um sie endgueltig versinkt. Sie wird zu einem spaeteren Zeitpunkt um die Jahre ab 1951 ergaenzt werden. 

Koeln, im August 1991 

Heinz Schifferdecker, DL7AC und Horst Ellgering, DL9MH 

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Impressum:

Die "Chronik des DARC-Distrikts Koeln-Aachen" wurde verfasst nach Unterlagen des RADIO ZENTRAL ARCHIVS von Dipl.-Ing. Heinz Schifferdecker, DL7AC, und Dr. Horst Ellgering, DL9MH, herausgegeben im Eigenverlag vom DARC-Distrikt Koeln-Aachen.

Saemtliche Rechte an dieser Publikation liegen beim Herausgeber und den Autoren. 

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Einfuehrung:

Die "Chronik des DARC-Distrikts Koeln-Aachen" gliedert sich im Wesentlichen in drei Teile: 

  • Amateurfunk in Deutschland 1919 bis 1951
  • Amateurfunk im Distrikt Koeln-Aachen 1924 bis 1951
  • Anhaenge.
Im ersten Teil wird die Entwicklung des Amateurfunks in Deutschland ab 1919 in ihren wesentlichen Begebenheiten chronologisch dargestellt.

Referenzen erfolgen anhand des Datums, unter dem die jeweilige Begebenheit aufgefuehrt ist. In der Referenzspalte wird weiterhin im Teil 1 mit den Buchstaben "KA:" auf Stellen hingewiesen, die fuer den Distrikt Koeln-Aachen von Bedeutung sind.

Der zweite Teil stellt unter Bezug auf Teil 1 die Entwicklung im Bereich des heutigen DARC-Distrikts Koeln-Aachen dar. Bei der engen Verzahnung des Geschehens in diesem Raum mit der Entwicklung in Deutschland allgemein kann es dabei gelegentlich vorkommen, dass in Teil 1 beschriebene Vorgaenge in Teil 2 ein zweites Mal vorkommen.

Dies erschien chronistisch sinnvoll. Als Ergaenzung und Vertiefung koennen fuer Interessierte weitere Chroniken dienen, die von DL7AC verfasst werden und bei ihm erhaeltlich sind.

Derzeit existieren solche Chroniken fuer die Ortsverbaende Koeln und Aachen.

Quellen:

Die in dieser Chronik aufgefuehrten Informationen beruhen auf folgenden Unterlagen des RZA:

  • Clubamtliche Mitteilungen der Amateurfunkverbaende DARC e.V.,DARC/BZ DASD, DASD e.V. DFTV e.V.
  • IARU Mitteilungs- LGen (LVe) Rheinland und Westfalenblaetter, DARC/BZ, DFTV e.V./DASDDE-Nummern
  • Urliste Rufzeichen
  • DFTV e.V./DASD Listen DASD e.V.
  • USA Radio Amateur Callbook Magazine (ab 1920)
  • Amateurfunkzeitschriften CQ, DL-QTC, QRV
  • Mitgliederlisten LG 5 und LG I DE- und
  • QSL-Karten
  • Dokumente und Auszuege aus Staatsarchiven, Amtsgericht Koeln - Vereinsregister.
Haeufig verwendete Abkuerzungen:
  • DARC Deutscher Amateur Radio Club (seit 10.9.1950)
  • DARC/BZ Deutscher Amateur Radio Club Britische Zone (21.5.1947 bis 10.9.1950)
  • DASD Deutscher Amateur Sende- und Empfangsdienst (20.3.1927 bis 21.4.1945)
  • DFTV Deutscher Funktechnischer Verband (28.7.1925 bis 15.11.1934)
  • DM Distriktsmanager (DARC/BZ)
  • DV Distriktsvorsitzender (DARC)
  • KWG Kurzwellengruppe (DFTV, 1.8.1925 bis 1.4.1928)
  • LG Landesgruppe (DFTV,DASD, 1.4.1927 bis 1.6.1937)
  • LGL Landesgruppenleiter (1.4.1927 bis 1.6.1937)
  • LV Landesverband (DASD, 1.6.1937 bis 21.4.1945)
  • LVF Landesverbandsfuehrer (1.6.1937 bis 21.4.1945)
  • OG Ortsgruppe (DASD, 1.4.1927 bis 1.6.1937)
  • OGL Ortsgruppenleiter (1.4.1927 bis 1.6.1937)
  • OV Ortsverband (DASD, DARC/BZ, DARC, seit 1.6.1937)
  • OVF Ortsverbandsfuehrer (DASD, 1.6.1937 bis 21.4.1945)
  • OVV Ortsverbandsvorsitzender (DARC/BZ, DARC, seit 21.5.1947)
  • VFDB Verband der Funkamateure der Deutschen Bundespost (seit 11.1.1950)
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Teil 1: Entwicklung des Amateurfunks in Deutschland von 1919 bis 1951

Nov. 1919

Der Amateurfunk hatte seine Wurzel in den Radiovereinen. Der erste dieser Vereine war der Radioverein Coburg, Studiengesellschaft fuer Elektrotechnik und Funkentelegraphie. Eines seiner aeltesten Mitglieder ist OM Walter Dieminger, DE 0240, DL6DS, einer der 12 Pioniere des Amateurfunks in Deutschland. Er ist bis heute aktiv und auf den Baendern zu hoeren.

1920-1923

In dieser Zeit kam die Entwicklung des Rundfunks nur sehr langsam voran. Dies nicht zuletzt deshalb, weil sich die damalige Reichspost den Radiohoerern und vor allem den ersten Funkamateuren gegenueber sehr restriktiv verhielt. Das Hoeren war zwar nicht verboten, aber der Bau und die Benutzung von - vor allem - Roehrenempfaengern war genehmigungspflichtig.Diese Genehmigungen erteilte die Reichs- Telegrafenverwaltung (RTV). An Sendelizenzen fuer Funkamateure war seinerzeit nicht zu denken. Die Reichspost woertlich: "Noch schlimmer waere es, wenn den Amateuren unbeschraenkte Sendefreiheit zugestanden wuerde. Dies waere das Ende eines jeden ernsthaften, drahtlosen Nachrichtenverkehrs."

29.10.1923

Die erste Rundfunksendung in Deutschland wurde ausgestrahlt. Sie wurde das Startsignal fuer eine stuermische Entwicklung der Funktechnik im deutschen Reichsgebiet.

31.12.1923

Es gab inzwischen vier Radiovereine mit insgesamt etwa 600 Mitgliedern. Unter ihnen befand sich der Sueddeutsche Radio Club, der in Muenchen, Residenzstrasse 27 seinen Sitz hatte. Diese Adresse wurde auch die Geburtsstelle des ersten deutschen Amateur Radio Clubs, naemlich des Deutschen Funktechnischen Verbandes e.V. (DFTV). (vgl. 28.7.1925)

Januar 1924

Die bestehenden Radiovereine schlossen sich in Berlin zum Radiokartell zusammen. Dies geschah unter ausdruecklicher Billigung durch die deutsche Reichspost und liess schon damals erkennen, dass die Radiovereine eine nicht zu unterschaetzende Bedeutung fuer die Funkamateure bekommen sollten.

08.03.1924

Die RTV gab die sogenannte "Audion Versuchs- Erlaubnis" heraus. Der Bau von Empfaengern jeder Art war nur gestattet, wenn vom Antragsteller eine Pruefung abgelegt und eine monatliche Gebuehr in Hoehe von RM 2.- entrichtet wurde. Die Zahl der Radiovereine wuchs vehement. Mitte 1924 betrug sie bereits 35 mit einer Gesamt-Mitgliederzahl von rund 4500.

31.12.1924

Es gab 80 Radiovereine mit insgesamt rund 10000 Mitgliedern. KA: In der Zeit von 1923 bis 1925 wurden auch in Koeln zwei solcher Radiovereine gegruendet, naemlich
  • die Funktechnische Gesellschaft, Koeln, Luebeckerstr. 14
  • der Koelner Radioclub.

17.6.1925 
    Rolf Formis, DE 0100, K-Y4, ebenfalls einer der Pioniere des Amateurfunks in Deutschland, begann mit der Herausgabe der DE- Nummern (DE = Deutsche Empfangsstation). Dies erwies sich als von grosser Bedeutung. Eine DE-Nummer wurde nur einmal ausgegeben und bei Tod des Inhabers oder seinem Ausscheiden aus dem Radioclub nicht wiedervergeben. Dies war - und ist - bei den Rufzeichen nicht so, was insbesondere nach dem Krieg wegen Doppelbelegungen gelegentlich zu Verwirrung fuehrte. Die DE-Nummern DE 0001 bis DE 1050 wurden ohne Pruefung herausgegeben. Spaeter (ab 1930 gemaess Satzung des DASD vom 8.6.1930) musste zum Erwerb eine DE-Pruefung mit zunaechst 30, dann 40, 50 und schliesslich mit 60 BpM Morsekenntnis abgelegt werden.

28.7.1925
    Der vielleicht wichtigste Tag in der Geschichte des fruehen Amateurfunks. Von den Radiovereinen wurde der erste deutsche Amateur Radio Club, der Deutsche Funktechnische Verband e. V. (DFTV) gegruendet (vgl. unter 31.12.1923). Erster Praesident wurde Abraham Esau, DE 0200, EK4AAL, ebenfalls einer der Pioniere des deutschen Amateurfunks. Dieses Datum ist selbst im DARC weitgehend in Vergessenheit geraten.

1.9.1925
    Die Deutsche Reichspost stellte die Herausgabe der Audion- Versuchserlaubnisse ein. Damit wurde der Bau von Empfaengern genehmigungsfrei. Zur gleichen Zeit begann die Reichspost mit der Erteilung von Kurzwellenlizenzen an Radiovereine, Institute, Technische Hochschulen, Universitaeten und Fachfirmen. Privatpersonen hingegen erhielten solche Lizenzen nur in sehr seltenen Ausnahmefaellen. Hierzu gehoerte Otto Anton Klotz in Heidelberg (DE 0550, K-K7). Er fuhr sein erstes QSO im Juli 1925 (vgl. CQ-DL 5/1987, S. 311). Alle deutschen Rufzeichen jener Zeit trugen den Landeskenner "K".

31.12.1925
    Die Zahl der Radiovereine war auf 320 angewachsen. Rund 50000 Mitglieder gingen der technischen Liebhaberei der Radio- und Funktechnik nach. Auch fuer die nach unserem heutigen Verstaendnis "echten" Funkamateure war es durchaus reizvoll, Mitglied in einem Radioverein zu werden, gab es doch nur dort die so attraktiven Sendelizenzen, ein Zustand, wie er in juengerer Vergangenheit in der ehemaligen DDR mit den "Clubstationen" immer noch zu finden war. Ende 1925 gab es etwa 50 derartiger Sendeamateure innerhalb der Radiovereine. So recht gluecklich wurden sie allerdings nicht, da sie mit rund 0,1% der Gesamtmitgliederzahl natuerlich drastisch unterrepraesentiert waren.

17.1.1926
    Von den "echten" Kurzwellenamateuren wurde in Jena der Deutsche Sendedienst (DSD) gegruendet. Der lose Zusammenschluss der Hoeramateure (Deutscher Empfangsdienst, DED) innerhalb der Radiovereine hatte nicht die gewuenschte, deutliche Abgrenzung gegenueber den Radiobastlern gebracht. DED und DSD bildeten die ersten sogenannten Kurzwellengruppen (KWGen), die sich ausschliesslich auf den Kurzwellenbaendern betaetigten. KA: Zu diesen ersten so in Gruppen zusammengeschlossenen OM gehoerte auch Oskar Becker, Koeln, DE 0654, EK4RY. Er rief in Koeln die erste KWG im Raum Koeln-Aachen ins Leben.

1.3.1926
    Der Landeskenner fuer Deutschland wurde in EK-4 geaendert.

20.3.1927
    In Kassel vollzog sich der fuer die Funkamateure bedeutsame Abschluss einer Entwicklung. Die Zahl der Funkamateure war mittlerweile auf 300 angewachsen. DED und DSD schlossen sich zum Deutschen Amateur Sende- und Empfangsdienst (DASD) zusammen. Der DASD wurde korporativ dem DFTV angeschlossen und war nicht rechtsfaehig.

Was geschah in Kassel?
    56 Funkamateure, darunter die Amateurfunk-Pioniere Walter Dieminger, Rolf Formis, Viktor Gramich und Rolf Wigand, beschlossen, den DASD korporativ an den DFTV e. V. anzuschliessen. Sitz des DASD sollte Berlin werden, waehrend der DFTV in Muenchen blieb. Zum Praesidenten des DASD wurde Otto Fulda vorgeschlagen. Mit Ruecksicht auf den amtierenden DFTV- Praesidenten Abraham Esau wurde er jedoch erst spaeter (vgl. 27.5.1928) formell gewaehlt. Die Herausgabe einer Clubzeitschrift fuer die Funkamateure unter dem Emblem des DFTV wurde vereinbart. 70 oesterreichische Funkamateure wurden in die Mitgliederliste des DASD aufgenommen. KA: Das deutsche Reichsgebiet wurde in 13 Landesgruppen (LG) eingeteilt. Dabei wurde der Raum Koeln-Aachen der LG 5 (Rheinland- Westfalen) zugeordnet. Die Vaeter des Amateurfunks haben also bereits sehr frueh das noch heute gueltige Prinzip der regionalen Einteilung der Mitglieder in Distrikte und, wie man spaeter sehen wird, in Ortsverbaende angewendet. KA: Der erste Landesgruppenleiter (LGL) der LG 5 wurde Georg Freiherr von Allizar, Barmen, DE 0655, EK4RA.

15.5.1927
    In Berlin erschien das erste Heft der Clubzeitschrift "CQ", herausgegeben vom DFTV. Die enge Bindung von DASD und DFTV wurde hier sehr deutlich. In der Rueckschau kann die in Kassel gefundene Loesung als die seinerzeit bestmoegliche bezeichnet werden.

1.11.1927
    Die erste Satzung des DFTV/DASD erschien in der Novemberausgabe der CQ. Sie stammte von Otto Fulda und war als Vorschlag unter dem Begriff "Bestimmungen" formuliert. Wesentliche Punkte aus dem Inhalt:
    • Der DASD wird dem DFTV angeschlossen und ist nicht rechtsfaehig.
    • Aufnahme in den DASD ist nur moeglich beim Nachweis von Morsekenntnissen (30 BpM).

2.1.1928
    Die QSL-Vermittlung, bis dahin in Stuttgart, wurde in das Hauptquartier des DASD in Berlin, Blumenthalstr. 19 verlegt. Die Entwicklung des DFTV e.V./DASD im Laufe des Jahres 1927, seiner LGen und LGL zeigt die nachstehende Tabelle:
    • LG 1 Ostpreussen LGL Herbert Schulz, Koenigsberg, DE 0345, EK4EY
    • LG 2 Brandenburg einschl. Pommern und Grenzmark LGL Erhard Graff, Berlin, DE0473, EK4CC
    • LG 3 Mecklenburg einschl. Schleswig-Holstein und Hamburg LGL Richard Wohlstadt, Hamburg, DE 0153, EK4AEO
    • LG 4 Hannover einschl. Oldenburg LGL Ernst Franzen, Hannover, DE 0034, EK4ABW
    • KA: LG 5 Rheinland-Westfalen LGL Frhr. Georg von Allizar, Barmen, DE 0655, EK4RA
    • LG 6 Hessen-Nassau einschl. Pfalz LGL Ferdinand Boedigheimer, Frankfurt/Main, DE 0069, EK4AB
    • LG 7 Saargebiet, korporativ angeschlossen DFTV e.V./DASD LGL Julius Kron, Saarbruecken, DE 0181, EK4SAR
    • LG 8 Baden LGL Otto Anton Klotz, Heidelberg, DE 0550, EK4ABG
    • LG 9 Wuerttemberg LGL Eberhardt Hundt, Stuttgart, DE 0273, EK4XU
    • LG 10 Bayern LGL Viktor Gramich, Muenchen, DE 0115, EK4UH
    • LG 11 Sachsen-Thueringen LGL Kurt Illing, Leipzig, DE 0195, EK4HL
    • LG 12 Mitteldeutschland (Provinz Sachsen) LGL Max Drechsler, Halle/Saale, DE 0049, EK4ABI
    • LG 13 Schlesien LGL Erich Rachner, Breslau, DE 0639, EK4GW

Bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges traten viele Aenderungen, sowohl der Organisation als auch der amtierenden OM auf. Diese Aenderungen sind in der Folge chronologisch aufgezeichnet.
14.01.1928
    Das Gesetz ueber Fernmeldeanlagen (FAG) wurde in Kraft gesetzt. Es ist bis heute, in einigen Punkten novelliert, gueltig. Die restriktive Haltung der Reichspost den deutschen Funkamateuren gegenueber hinsichtlich der Erteilung von Individual-Lizenzen in den Jahren 1925 bis 1928 (vgl. 1.9.1925) wird daran deutlich, dass in diesem Zeitraum ganze 12 solcher Lizenzen an Einzelpersonen erteilt wurden. Neben dieser restriktiven Haltung gab es in jener Zeit noch eine weitere, fast unueberwindbare Huerde, denn die Reichspost verlangte fuer die Sendegenehmigung eine Gebuehr von RM 100.- jaehrlich. Die horrende Hoehe dieses Betrages wird dann deutlicher, wenn man weiss, dass es 1927 keine Clubbeitraege gab, und dass der Bezug der CQ RM 1.50 pro Halbjahr kostete.

Erst 1930
    wurde dann in Clubbeitrag von RM 1.50 pro Vierteljahr eingefuehrt, zuzueglich RM 3.00 fuer den Bezug der CQ. Aufgrund der Vielzahl der Proteste aus den Reihen der Funkamateure und angesichts der Aussichtslosigkeit der Hoffnung auf eine AEnderung der Einstellung der Post, beschloss die Leitung des DASD im Einvernehmen mit dem DFTV, eine semi-offizielle Funkgenehmigung einzufuehren. Die in Frage kommenden OM erhielten die Mitteilung, sich zu einem bestimmten Zeitpunkt in der LG einzufinden, um die Pruefung fuer das sogenannte "Funkzeugnis C" abzulegen.

    An Pruefungskenntnissen wurden verlangt:

    Morsen Tempo 70 sowie Technik und Verkehrsregeln incl. Amateurfunkcode.

    Hatte der Pruefling bestanden, so wanderte sein Funkzeugnis C zu OM Garnatz in Berlin, der es mit einem beigehefteten Zettel versah, auf dem das Rufzeichen EK4---, ab 1.1.1929 D4--- stand. Auf diese Weise entstand die bereits angesprochene, geheime Mitgliederliste ebenso wie die Kartei fuer die QSL-Vermittlung, die bei Garnatz bestens funktionierte. Das Sytem hatte nur einen Schoenheitsfehler: Legale Rufzeichen waren genauso aufgebaut und daher ohne diese Liste von illegalen nicht zu unterscheiden.

    In jener Zeit gab es in Deutschland noch keine Rufzeichenliste. Fuer Nachforschungen musste das US Radio Amateur Callbook Magazine zu Hilfe genommen werden.


1.1.1929
    Der Landeskenner fuer Deutschland wurde erneut geaendert und lautete nun D4.

27.5.1929
    Abraham Esau erklaerte auf der Kurzwellentagung in Dresden seinen Ruecktritt als Praesident des DFTV e.V./DASD aus beruflichen Gruenden. Otto Fulda, bereits frueher fuer dieses Amt vorgeschlagen (vgl.20.3.1927), wurde nun zum Nachfolger von Esau gewaehlt.

1.6.1929
    Unter 10 Entwuerfen fuer ein DASD-Mitgliederdiplom wurde ein Entwurf von Ferdinand Rueb, DE 0818, ausgewaehlt. Dieser Entwurf zeigte einen stilisierten Schwingkreis und entsprach perfekt dem Sinn des DE- Diploms. Er war lange Zeit, auch noch im DARC, in Gebrauch. Vorstand und LGL begannen mit der Durchfuehrung von DE- Pruefungen.

21.6.1929
    OEsterreich bildete die eigene LG 14. Erster LGL wurde Josef Fuchs, Wien, DE 1004, D4ZWF. Fuchs war der Erfinder des nach ihm benannten Fuchs-Kreises zur Anpassung und Speisung von Halbwellenstrahlern. Er war ausserdem der Herausgeber des "Signalbuchs fuer den Kurzwellenverkehr", das zu jener Zeit in keinem Shack fehlte.

1.1.1930
    Der LGL 5, Frhr. Georg von Allizar, trat zurueck. Sein Nachfolger (KA:) wurde Heinz Evertz, Koeln, DE 0723, EK4RE. Er war verwandt mit Lothar Rohde, Muenchen, DJ5LR, und ging spaeter zu Steeg & Reuter in Bad Homburg, Hersteller der seinerzeit sehr begehrten Schwingquarze. 

8.6.1930
    Die zweite Satzung des DFTV e.V./DASD wurde auf der Kurzwellentagung in Halle/Saale beschlossen. Auch in ihr fanden sich wieder die korporative Arbeitsgemeinschaft zwischen DFTV und DASD und die Vorschrift, dass sich DE-Anwaerter spaetestens 6 Monate nach ihrem Eintritt in den Club der DE-Pruefung stellen mussten. In den DE- Pruefungsbedingungen wurde nun eine Morse-Hoerleistung von 50 BpM vorgeschrieben.

9.6.1930
    Die Zahl der Landesgruppen wurde um 2 erweitert:
    • LG 15 Jugoslavien LGL Stefan Liebermann, DE 0563, UN7DD
    • LG 16 Graz LGL Julius Elbert, Graz, DE 0452, EAPP.

26.5.1931
    Auf der Hamburger Kurzwellentagung vom 23. bis 26. Mai waren 350 Besucher auf der Anwesenheitsliste eingetragen. Der Club wuchs kraeftig, obwohl die Reichspost noch immer nicht daran dachte, in etwas groesserem Umfang Individual-Lizenzen auszugeben. Unter den Funkamateuren entstand darob erheblicher Unmut.

1.9.1931
    In Berlin erschien das damalige Standardwerk der deutschen Funkamateure mit dem Titel "Kurzwellentechnik ein Leitfaden fuer den Funkamateur" Nach einem Vorwort des ersten Ehrenmitglieds des DASD, Walter Heinze, DE 1006, kamen auf ueber dreihundert Seiten die Fachleute der damaligen Zeit zu Wort, unter anderen Wilhelm Behn, DE 0470, Walter Dieminger, DE 0240, Ernst Graff, DE 0473, Rudi Rapcke, DE 0356, Werner Slawyk, DE 1156 und Rolf Wigand, DE 0065.

15.2.1932
    Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland erreichte mit 6,2 Millionen ihren Hoechststand. Die dramatische Entwicklung jener Zeit laesst sich an den amtlichen Zahlen ablesen:
      15.01.1931 4,1 Millionen
      16.11.1931 4,8 Millionen
      15.01.1932 6,0 Millionen
      15.09.1932 5,3 Millionen
    Die schwierige wirtschaftliche Situation jener Zeit war wohl auch der Grund dafuer, dass die zur Jahresmitte uebliche Kurzwellentagung im Jahre 1932 nicht stattfand.

1.10.1932
    Praesident Otto Fulda wurde von seinem Amte abberufen.

30.1.1933
    Mit der Machtuebernahme durch die Nationalsozialisten wurden mit einem Schlag alle bisher von der Reichspost ausgegebenen Sendelizenzen fuer ungueltig erklaert. Auch das Schwarzfunken hoerte schlagartig auf.

18.2.1933
    Mit der LG 17 Freistaat Danzig wurde die letzte der LGen gegruendet. LGL wurde Hans Heyden, DE 0171, EK4ZDF. Die Gruendung fand in der TH Danzig statt.

6.4.1933
    Die dritte Ausgabe der Satzung des DFTV e.V./DASD erschien. Der Einfluss der neuen Machthaber in Deutschland war unverkennbar:
    • DFTV und DASD waren weiterhin korporativ miteinander verbunden.
    • Die Entscheidung ueber die Aufnahme eines Bewerbers lag bei einer dreikoepfigen, obersten Aufnahmekommission in Berlin. 
    • Die Aufnahme stand nur nichtjuedischen Deutschen offen.
    • Die Ablegung der DE-Pruefung spaetestens 6 Monate nach Aufnahme in den Club war unabdingbar.

9.4.1933
    Der Club wurde dem Reichsministerium fuer Volksaufklaerung und Propaganda unmittelbar unterstellt. Weder der Minister selbst, noch seine Mitarbeiter kannten allerdings Namen und Adressen der Mitglieder des Clubs. Die Gefahr der "Gleichschaltung" war riesengross geworden. Der Minister, Dr. Josef Goebbels, berief Gustav Leithaeuser, Professor an der TU Berlin, in das seit einem halben Jahr verwaiste Amt eines Praesidenten des DFTV e.V./DASD. Diesem unerschrockenen Manne sollte es der Club bald verdanken, dass er nicht gleichgeschaltet wurde.

11.4.1933
    Unmittelbar nach seiner Berufung setzte Leithaeuser Oskar Becker, (KA:) Koeln, DE 0654, als neuen LGL 5 ein. Dessen Vorgaenger Heinz Evertz war offenbar nicht nach dem Geschmack der politischen Fuehrung gewesen.

Mai 1933
    Leithaeuser liess durch den Clubsekretaer Bruno Garnatz, DE 1263, die bis dahin geheim gehaltene Liste der Clubmitglieder dem Propagandaministerium uebergeben. Leithaeuser, der sich des Risikos dieser Handlung voll bewusst war, hatte aber die Reaktion von Goebbels richtig eingeschaetzt: Niemand wurde verhaftet. Das Ansehen der deutschen Funkamateure in der Welt war bereits so gross, dass die politischen Machthaber es vorzogen, mit statt gegen sie zu handeln. Es wurde nun Zeit, legale Sendelizenzen auszugeben. Bisher war es nicht gelungen, von aussen her in den Club der Funkamateure einzugreifen. Nun versuchte man, dies von innen, aus dem Kreis der Funkamateure heraus, zu erreichen. Der Vorsitzende der obersten Aufnahme- Kommission, SA-Sturmbannfuehrer Hermann Schaefer, hatte am 30.4.1933 in Solingen den Verband Deutscher Funker (VDF) gegruendet, eine bereits am Hakenkreuz auf den Briefbogen zu erkennende, parteitreue "Konkurrenzorganisation" zum DFTV/DASD.

1.6.1933
    In Essen wurden die Leitsaetze des VDF veroeffentlicht. Ganz unverhohlen wurde dafuer geworben, den DFTV/DASD zu verlassen und dem VDF beizutreten. In der internen Organisation "entlieh" man sich der Bezeichnungen des DASD und es gab ploetzlich DASD-LGen und VDF- LGen. Dies fuehrte alsbald zu Widerspruch, insbesondere der saarlaendischen OM, die darin von der franzoesischen Protektoratsregierung unterstuetzt wurden. Der VDF aenderte daraufhin die Bezeichnungen. Die LG 7 hiess nun LG H.

25.6.1933
    Praesident Leithaeuser erteilte Hermann Schaefer Hausverbot fuer die Geschaeftsstelle des DASD. In der Clubkasse waren Unregelmaessigkeiten festgestellt worden. Angesichts der politischen Umstaende dennoch eine mutige Tat des Praesidenten.

26.7.1933
    Der VDF wurde wieder aufgeloest. Die Abwerbungsversuche waren gescheitert.

1.8.1933
    Die Clubleitung des DFTV/DASD gab eine neue Organisationsstruktur unter Veraenderung der Bezeichnung der Landesgruppen heraus. Diese neue Struktur gliederte das Reichsgebiet wie folgt auf:
    • LG A Ostpreussen
    • LG B Pommern
    • LG C Brandenburg
    • LG D Magdeburg
    • LG E nicht belegt
    • LG F Berlin
    • LG G Schlesien
    • LG H Westfalen
    • KA:LG I Rheinland
    • LG J Norden
    • LG K Niedersachsen
    • LG L Mitteldeutschland
    • LG M Sachsen-Ost
    • LG N Wuerttemberg
    • LG O Baden
    • LG P Bayern-Sued
    • LG Q nicht belegt
    • LG R Bayern-Nord
    • LG S nicht belegt
    • LG T Mittelrhein (vgl. 1.3.1935)
    • LG U Sachsen-West
    • LG V Schleswig.
    KA: Die ehemalige LG 5 (Rheinland-Westfalen) war, wie ersichtlich, aufgeteilt worden in die neuen
    LG H Westfalen, LGL Alfred Huppersberg, Essen, DE 0288, D4BAH und
    LG I Rheinland, LGL Oskar Becker, Koeln, DE 0654, D4BAI.

18.8.1933
    Auf der Funkausstellung in Berlin erklaerte Hermann Schaefer, noch immer Leiter der obersten Aufnahmekommission des DFTV/DASD, in einer grossangelegten Rede, dass nunmehr die Zeiten des alten DASD vorueber seien und er daher die laengst faellige Ausgabe von Lizenzen in Angriff nehmen wolle. Eine aufsehenerregende Ankuendigung!

27.8.1933
    Niemand wagte es zu glauben, aber Schaefer liess tatsaechlich an diesem Sonntag (!) durch die regional zustaendigen Reichspostdirektionen 180 Lizenzurkunden an "bewaehrte OM" ausgeben. Grundlage der Auswahl war die bereits erwaehnte Mitgliederliste, die im Mai dem Ministerium uebergeben worden war. Die Lizenzen wurden ohne Pruefung der betroffenen OM ausgegeben - eine merkwuerdige Verfahrensweise, die in diesem Falle gleichwohl als begruessenswert angesehen werden konnte. KA: Auch Oskar Becker erhielt an diesem denkwuerdigen Tage sein erstes legales Rufzeichen D4BAI.

1.1.1934
    Erstmals erschienen in der CQ Nachrichten der einzelnen LGen.

1.3.1934
    Zum ersten Mal erschien das Mitteilungsblatt (MB) der DASD- Leitung. Das gelbe Titelblatt trug die UEberschrift CQ-MB. Es wurde deutlich, dass der DASD sich profilierte und nach Eigenstaendigkeit strebte. Immer mehr bisherige Radiobastler interessierten sich fuer die Kurzwelle und, neu, fuer die Ultrakurzwelle.

1.10.1934
    Gustav Leithaeuser trat als Praesident des DFTV/DASD zurueck. Es war diesem aussergewoehnlich aufrechten Manne zu verdanken, dass der Club in den stuermischen Jahren 1933/34 nicht unterging. Als sein Nachfolger wurde von Josef Goebbels Vizeadmiral Dr. h.c. Otto Groos berufen. 15.10.1934 Groos ernannte Rolf Wigand zum Hauptschriftleiter der CQ und des MB. Wigand war auch ueber diese Schriftleitertaetigkeit hinaus schriftstellerisch aktiv; mancher der aelteren OM erinnert sich heute noch an die Buecher der Lehrmeister-Buecherei (Verlag Hachmeister und Thal), die aus seiner Feder stammten.

20.10.1934
    Die vierte und zugleich letzte Satzung des DASD wurde errichtet. Drei Wochen spaeter erfolgte in Berlin die Eintragung des DASD als e.V. (vgl.15.11.1934). Aus dieser Satzung:
    • Mitglieder im DASD e.V. konnten nur arische Deutsche und OEsterreicher werden (§6).
    • Jedes aufgenommene Mitglied musste sich innerhalb von 6 Monaten zur DE-Pruefung stellen (§10).
    • Der korporative Anschluss zum DFTV e.V. war gestrichen.

15.11.1934
    Durch Eintragung im Amtsgericht Berlin als e.V. wurde der DASD mit ausdruecklicher Billigung des Propagandaministers selbstaendig und rechtsfaehig.

16.11.1934
    Im "alten Askanier" in der Naehe des Anhalter Bahnhofs in Berlin fand eine ausserordentliche Mitgliederversammlung des DASD statt. Aus der Tagesordnung:
    • Bekanntmachung der Gruendung des neuen DASD e.V. und seiner Satzung.
    • Beschlussfassung ueber die Aufloesung des bisher nicht eingetragenenVereins und UEberleitung in den DASD e.V.
    Damit war die endgueltige Trennung des ehemaligen DASD vom DFTV e.V. vollzogen. Rueckblickend sei noch einmal festgehalten, dass der DFTV e.V. der erste rechtsfaehige Verband der deutschen und etwas spaeter auch der oesterreichischen Funkamateure war.

1.1.1935
    Der DASD zog von seinem bisherigen Sitz in Berlin W 57, Blumenthalstr. 19 um nach Berlin-Dahlem, Schweinfurthstr. 78.

1.2.1935
    In der CQ erschien ein Leitartikel von OM Wigand, der sich mit dem deutschen UKW-Verbot, der Sperrung des Frequenzbereichs von 56 bis 60 MHz, kritisch auseinandersetzte. Dieser Bereich war nach dem Washingtoner Abkommen den deutschen Funkamateuren zugestanden worden. Die Sperrung wurde mit einem anderweitigen Bedarf begruendet. Diese durchaus ungewoehnliche und auch nicht ungefaehrliche Kritik fuehrte erstaunlicherweise nicht unmittelbar zu Repressalien gegen Wigand. Dies verhinderte die Internationalitaet des Funkwesens. Hinsichtlich der Begruendung tat Rudi Rapcke seinerzeit den beruehmt gewordenen Ausspruch: "Mir kommt das so vor, als wenn das Tempelhofer Feld gesperrt wuerde, damit ein Floh Freiuebungen machen kann".

1.3.1935
    Das Saargebiet wurde an das deutsche Reich angeschlossen, nachdem in einer Abstimmung 90,8% der Saarlaender fuer diesen Anschluss gestimmt hatten. Der bisher korporativ an den DASD angeschlossene Saar- Radio-Club wurde aufgeloest und die Verwaltung der saarlaendischen OM in der LG T vom LGL T, F. Boedigheimer uebernommen. Die Rufzeichen im Saarland fuehrten den Landeskenner "EZ". Zum gleichen Datum wurde die Bekanntmachung ueber Versuchsfunksender veroeffentlicht. Damit war eine gesetzliche Grundlage fuer die Erteilung von Amateurfunkgenehmigungen geschaffen. Die wichtigsten Punkte:
    • Die Basis fuer die Erteilung einer Sendelizenz ist das FAG vom 14.1.1928 (§2).
    • Der Antragsteller muss Mitglied im DASD e.V. sein (§3).

21.3.1935
    Zwischen DASD und der Hitlerjugend wurde ein Vertrag abgeschlossen, der hauptsaechlich die Frage der gemeinsamen Mitgliedschaft regelte. Es wurde klargestellt, dass die Mitglieder der Hitlerjugend nicht automatisch Mitglieder im DASD wurden, sondern dass es hierfuer eines foermlichen Antrages der HJ-Mitglieder beim DASD e.V. bedurfte.

1.10.1935
    Otto Groos wurde vom Reichskriegsminister zum Dienst in der Wehrmacht zurueckberufen. Der Minister schlug zum Nachfolger von Groos im Amte des DASD-Praesidenten den Konteradmiral Heinrich Gebhardt vor. Dieser wurde daraufhin von Goebbels zum Praesidenten des DASD ernannt. Gebhardt hatte eigenwillige Vorstellungen; von ihm stammt der Satz: "Wir haben uns von der Einschaetzung freizumachen, dass alle Mitglieder des DASD, welche die technischen Voraussetzungen hierfuer erfuellen, eine Sendelizenz auch erhalten koennen." Nicht die technische Kompetenz allein, sondern auch die politische "Zuverlaessigkeit" entschied seinerzeit darueber, ob ein Bewerber eine Sendelizenz erhielt.

1.10.1936
    Das Erscheinen des MB der DASD-Leitung wurde eingestellt. Rolf Wigand gab in einem Nachruf in der CQ hierzu bekannt, dass wichtige Nachrichten der DASD-Leitung in Zukunft in den "amtlichen Mitteilungen der DASD-Leitung" erscheinen werden.

1.4.1937
    Der DASD zog von Berlin-Dahlem, Schweinfurthstr. 78 nach Berlin-Dahlem, Cecilienallee 4 um. Die Residenz in dieser vornehmen Villengegend dokumentierte nun auch von aussen: Der DASD "war Wer".

1.6.1937
    Erstmals erschien in der CQ eine vollstaendige Liste aller in Deutschland von der Reichspost vergebenen Rufzeichen der Bloecke D3, D4 und YM4. Die Liste mit dem Stand vom 5.5.1937 enthielt 498 Rufzeichen. Zum gleichen Datum wurden die Organisationsbezeichnungen im DASD unter dem Einfluss des Propagandaministeriums geaendert:

    OG in OV, OGL in OVF, LG in LV, LGL in LVF.
     
     


1.7.1937
    Der erste Organisationsplan des DASD war im Januar 1937 erschienen. Infolge des raschen Wachstums des Clubs und auch der o.g. Umbenennungen wurde nun eine Berichtigung dieses Planes erforderlich.

24.11.1937
    Obwohl inzwischen rund 500 Sendelizenzen legal ausgegeben waren, nahm das Schwarzfunken stetig zu. Die Gruende hierfuer lagen auf der Hand:

    Nicht jeder, der zu einem ordentlichen Sendebetrieb befaehigt war, erhielt auch die Erlaubnis dazu. Nun wurde in den amtlichen Mitteilungen des DASD das neu erlassene "Schwarzsender-Gesetz" abgedruckt. Dieses Gesetz war vom seinerzeitigen Reichspostminister Ohnesorge unterschrieben.


13.3.1938
    Der Oesterreichische Versuchssender Verband (OEVSV) wurde in den DASD "eingegliedert".

1.5.1938
    Die neu erschienene Rufzeichenliste enthielt zum Stichtag 5.5.1938 insgesamt 490 Rufzeichen der Bloecke D3, D4 und YM4. Es war wohl so eine Sache mit den Lizenzen. Die Landesverbaende des DASD wurden erneut umbenannt:
    • LV A Preussenland
    • LV B Pommern
    • LV C Kurmark (ab 1.2.1939 Mark Brandenburg)
    • LV D Harzlande
    • LV E nicht belegt
    • LV F Reichshauptstadt
    • LV G Schlesien
    • LV H Westfalen
    • KA: LV I Niederrhein
    • LV J Niederelbe
    • LV K Niedersachsen
    • LV L Thueringen
    • LV M Sachsen-Ost (ab 1.5.1939 Ost-Sachsen)
    • LV N Wuerttemberg
    • LV O Baden
    • LV P Bayern
    • LV Q nicht belegt (ab 1940 Sudetengau)
    • LV R Franken
    • LV S Donaulande
    • LV T Hessen und bei Rhein
    • LV U Sachsen
    • LV V Nordmark
    • LV W Alpenlande
    • LV X nicht belegt
    • LV Y Hansestadt Danzig (ab 1940 Danzig-Westpreussen)
    • LV Z nicht belegt (ab 1940 Wartheland)

1.1.1939
    Aus dienstlichen (heute wuerde man sagen: politischen) Gruenden verliessen alle Angehoerigen der Polizei den DASD. Auch Oskar KA Becker musste sein Amt niederlegen und aus dem DASD ausscheiden.

9.1.1939
    Auf der Basis des FAG vom 14.1.1928 wurde das Gesetz "Verordnung ueber Sender fuer Funkfreunde" von Reichspostminister Ohnesorge erlassen. Es galt nicht fuer OEsterreich und die sudetendeutschen Gebiete. Das Mindestalter fuer Sendeamateure war darin mit 16 Jahren festgelegt. Ausserdem - wichtig in jener Zeit - durften Bewerber nicht juedisch oder juedische Mischlinge sein.

1.6.1939
    Eine neue Rufzeichenliste mit dem Stichtag 5.5.1939 wurde herausgegeben. Sie enthielt 450 Rufzeichen der Bloecke D3, D4 und YM4. Die Zahl der gueltigen Lizenzen war im Vergleich zu 1937 um 10% zurueckgegangen. Die Liste vom 1.6. war die letzte, die vom DASD e.V. herausgegeben wurde. Anhand der DE-Nummern-Urliste (vgl. S. 5) laesst sich hier ein interessanter Vergleich mit der heutigen Zeit ziehen. Unterstellt sei zunaechst, dass in jener Zeit aufgrund der Satzung des DASD alle Funkamateure eine DE-Nummer hatten, eine Unterstellung, die wohl weitgehend zutrifft. Zur Jahresmitte 1939 waren DE-Nummern bis 6800 erteilt. Zieht man die Bloecke 4000 bis 4999 (foerdernde Mitglieder) und 5000 bis 5999 (freiwillige Wehrfunkgruppe Marine) ab, so verbleiben als Zahl der Funkamateure 4800. Der Vergleich dieser Zahl mit den 450 Lizenzen zeigt, dass seinerzeit weniger als 10% der Funkamateure, obwohl grundsaetzlich hierzu befaehigt, eine Lizenz besassen. Die heutigen Zahlen ergeben im Vergleich dazu ueber 80%.

22.7.1939
    Der Praesident des DASD, Heinrich Gebhardt verstarb.

1.9.1939
    Mit dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges wurden alle Lizenzen von der deutschen Reichspost fuer ungueltig erklaert. Alle im Eigentum deutscher Funkamateure vorhandenen Funkgeraete wurden entschaedigungslos eingezogen und mussten beim zustaendigen Zustellpostamt abgeliefert werden. Die Clubzeitschrift CQ erschien in stark verringertem Umfang. Die Organisations-Mitteilungen entfielen voellig.

1.11.1939
    Vom Oberkommando der Wehrmacht (OKW) wurden die ersten Kriegsfunk-Sendegenehmigungen (KFSG) ausgegeben.

15.5.1940
    Zum neuen Praesidenten des DASD wurde von Goebbels der SS- Obergruppenfuehrer Ernst Sachs, Berlin, ernannt. Sachs war Berufsoffizier im Heer.

15.3.1941
    Die Jahres-Mitgliederversammlung 1940/41 wurde im Rathaus Berlin-Charlottenburg abgehalten. Die Mitgliederversammlungen fanden im 2- Jahres-Rhythmus statt, da die meisten OM zum Kriegsdienst eingezogen waren.

24.9.1942
    Wie unnachsichtig Schwarzsenden in dieser Kriegszeit bestraft wurde, zeigt das an diesem Tage ausgesprochene Todesurteil, das vom Volksgerichtshof Berlin gegen OM Walter Klingenbeck, Muenchen, wegen Schwarzsendens erging. Der DASD legte Wert darauf mitzuteilen, dass Klingenbeck nicht DASD-Mitglied war.

1.5.1943
    Die CQ erschien erstmalig im Format DIN A5.

1.7.1943
    Die sogenannte RUE-Funk-Aktion begann. Zu Beginn des Krieges waren die meisten deutschen Funkamateure eingezogen und ohne Ruecksicht auf ihre Qualifikation als Fernmelde-Fachleute kurzerhand der Infanterie zugeteilt worden. Ganz anders die Englaender, welche ihre OM von Anfang an in die Labors der einschlaegigen Industrie berufen hatten. Durch die Erfolge der Englaender insbesondere auf dem Gebiet der Funkaufklaerung stutzig geworden, liess Ernst Sachs 5000 Fragebogen an die OM im Felde schicken. Rund 3500 dieser Fragebogen kamen, sorgfaeltig ausgefuellt, postwendend zurueck. Viele OM wurden daraufhin in die Heimat zurueckkommandiert und in der einschlaegigen Industrie eingesetzt. Ernst Sachs, seiner Herkunft wegen als OM umstritten, hatte mit dieser Aktion auch fuer die Funkamateure positives geleistet. Bereits zu Kriegsbeginn eingeleitet, haette sie nicht nur fuer die Funkamateure noch mehr bewirken koennen.

1.1.1944
    Sachs wurde erneut fuer die Funkamateure aktiv, indem er die Ausgabe von KFSGen vorantrieb, von denen es bereits etwa 170 gab.

15.2.1944
    Das Hauptquartier des DASD wurde in einem naechtlichen Bombenangriff restlos zerstoert. Alle Unterlagen verbrannten bis zur Unkenntlichkeit.

    Die grossen Schwierigkeiten, heute die Geschehnisse der ersten 3 Jahrzehnte Amateurfunk in Deutschland zu rekonstruieren, haben hier groesstenteils ihren Ursprung.


1.3.1944
    Eine Ausweich-Geschaeftsstelle des DASD wurde notduerftig in Berlin Grunewald, Hohenzollerndamm 46/47 eingerichtet. Sie wurde hier bis zum Ende des DASD e.V. am 21.4.1945 von Bruno Garnatz, DE 1263 und Werner Slawyk, DE 1156 gefuehrt.

21.4.1945
    Ende der offiziellen Taetigkeit des DASD.

8.5.1945
    Die Alliierten verboten unter Androhung schwerster Strafen jede Art von Taetigkeit im Amateurfunk ebenso wie Zusammenkuenfte oder Gruendung von Vereinigungen.

Oktober 1945
    Die von den Alliierten verfuegte Funkstille fuer die deutschen Funkamateure war von nur kurzer Dauer. Beherzte Funkamateure, unter ihnen insbesondere Felix Koerner, DE 3559, Gerd Groetzinger, DE 7114 und Kurt Schips, DE 7213 gruendeten in Stuttgart unter den Augen der Amerikaner (US Signal Corps), und aufgrund ihrer guten persoenlichen Beziehungen zu diesen wohl auch nicht ganz ohne deren wohlwollende Untaetigkeit, den Samstag Abend Club (SAC). Ihre seinerzeit verwendeten, illegalen Rufzeichen DA1AR, DA1AF und DA1AD waren meistens am Samstagabend (daher SAC) in flottem CW-Tempo zu hoeren. In Stuttgart dachte man auch daran, bald wieder einen Radioclub zu gruenden. Die guten Beziehungen zu den dort auch in der US Army taetigen US-Funkamateuren waren hier hilfreich. Zunaechst aber entwickelte sich - mit legalen Lizenzen war auf lange Zeit ja wohl nicht zu rechnen - eine "schwarze" Funkorganisation. Die DA-Rufzeichen blieben nicht auf Stuttgart beschraenkt und die US-Besatzungsbehoerden drueckten wohlwollend nicht nur ein Auge zu. So entwickelten die drei genannten OM eine Gebietseinteilung fuer DA-Rufzeichen, eine QSL-Vermittlung (Box 585 in Stuttgart) und eine Organisation, die in den Jahren 1946 bis 1949 an geheimem Ort fuer die deutschen Funkamateure segensreich wirkte.

17.8.1946
    Dank der guten Beziehungen zu den US- Besatzungsbehoerden wurde in Stuttgart der Wuerttemberg-Badische Radio-Club (WBRC) gegruendet. Das Eis war gebrochen.

11.2.1947
    Der Hessische Radio-Club (HRC) wurde gegruendet.

29.3.1947
    Der Bayerische Radio-Club wurde in Muenchen gegruendet.

21.5.1947
    In Hamburg wurde der DARC/BZ gegruendet. Er umfasste die Distrikte Hamburg, Koeln-Aachen, Niedersachsen, Nordsee, Schleswig-Holstein und Westfalen.


7.-8.6.1947

        ERSTE TAGUNG DER DEUTSCHEN FUNKAMATEURE nach dem Kriege in Stuttgart,
        veranstaltet vom WBRC

Postkarte mit Sonderstempel zu diesem Anlass (aus dem Besitz von Wolfgang, DK5XO):

Tagungs-Festpostkarte des WBRC


6.9.1947
    Der DARC/Bln wurde in Westberlin gegruendet.

31.12.1947
    Das bis dahin geheim gehaltene Callbook 1948 mit allen DA1 bis DA9-Rufzeichen wurde allgemein verwendet. DA-Stationen erhielten eine SAC- Mitgliedskarte mit DA-Rufzeichen, die gleichzeitig so etwas wie eine inoffizielle Sendeerlaubnis (!) darstellte.

    Der Vergleich mit der Zeit von 1925 bis 1933 draengt sich unwillkuerlich auf: Wie damals gab es viele illegal arbeitende Amateurfunkstationen und eine gut funktionierende Organisation mit QSL-Vermittlung, und von alledem wussten die deutschen Behoerden nichts.


28.5.1948
    In Bad Lauterberg im Harz wurde der DARC Wuerttemberg/Baden (DARC/ WB) ins Leben gerufen.

21.1.1949
    Die Zentrale in Stuttgart hatte eine fuer alle DA- Stationen verbindliche Funkstille erlassen. Die Verabschiedung des in Arbeit befindlichen Amateurfunkgesetzes sollte nicht beeintraechtigt werden.

14.3.1949
    Das Amateurfunkgesetz wurde verabschiedet.

23.3.1949
    In Westdeutschland begann die Ausgabe von Amateurfunk- Lizenzen.

8.5.1949
    In Bad Kreuznach wurde der DARC Rheinland-Pfalz gegruendet.

16.7.1949
    In Berlin begann die Ausgabe von Amateurfunk- Lizenzen.

17.7.1949
    Als letzter der 8 DARC-Vorgaenger wurde in Konstanz der DARC Franzoesische Zone (DARC/FZ) gegruendet.

1.1.1950
    Im FTZ in Darmstadt fand die Gruendung der Vereinigung der Funkamateure der deutschen Bundespost (VFDB) statt.

10.9.1950
    Um die Vereinigung der 8 DARC-Einzelclubs hatte es langwierige Verhandlungen gegeben. Auch die Frage einer gemeinsamen Clubzeitschrift war dabei heiss umstritten. Auf der 4 Tage dauernden, grossen Kurzwellentagung in Bad Homburg vor der Hoehe wurde an diesem Tage unter Vereinigung der bisherigen Einzelclubs im HELPIA der Deutsche Amateur Radio Club e.V. (DARC) gegruendet. Die Vereinigung der Einzelclubs in einem Verband war gelungen.

1.1.1951
    Der VFDB e.V. schloss sich korporativ dem DARC e.V. an. Am gleichen Tage erschien die erste Ausgabe der neuen Clubzeitschrift DL- QTC. Felix Koerner hatte seine Verlagsrechte fuer die QRV zugunsten dieser neuen Clubzeitschrift aufgegeben und fungierte als Herausgeber des DL-QTC.
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Hiermit endet vorerst der erste Teil des Chronik des Amateurfunks in Deutschland.

Sie wird in absehbarer Zeit weitergefuehrt werden.


Teil 2: Entwicklung des Amateurfunks im Distrikt Koeln-Aachen von 1924 bis 1951

Der Raum Koeln war, aehnlich wie andere grosse Staedte in Deutschland, ein Zentrum der Entwicklung des Amateurfunks. Aehnlich wie in Berlin, Breslau, Dresden, Frankfurt/Main, Hamburg, Hannover, Koenigsberg, Leipzig, Muenchen oder Stuttgart begann auch hier der Amateurfunk mit der Gruendung von Radiovereinen. Diese schlossen sich im Januar 1924 (vgl. Teil 1) zum Radio- Kartell zusammen. Kurz darauf entstanden in Koeln zwei Radioclubs.


24.3.1924
    Der Koelner Radio-Club wurde gegruendet.

14.4.1924
    Die Funktechnische Gesellschaft wurde in Koeln gegruendet. 

    Von diesen beiden Vereinen kann rueckschauend der Koelner Radio- Club als die bedeutungsvollere Vereinigung bezeichnet werden. Dies hauptsaechlich deshalb, weil spaeter sehr bekannte Kurzwellenamateure hier Mitglieder wurden. Die Vorsitzenden beider Clubs waren leitende Herren der Reichspost, naemlich

    im Koelner Radio-Club:

    • Direktor Joachim Lais (1. Vorsitzender) und
    • Telegrafendirektor August Maly (2. Vorsitzender), der Funktechnischen Gesellschaft:
    • Oberpostrat Karl Frei (1. Vorsitzender).

16.5.1925
    Auf der Generalversammlung des Koelner Radio-Clubs wurde ein neuer Vorstand gewaehlt:
    • 1. Vorsitzender August Maly, Koeln
    • 2. Vorsitzender Dr. Albert Rohde, Leverkusen.
    Rohde wurde spaeter 1. Vorsitzender des Clubs und fuehrte diesen bis 1929, als er in die OG Koeln der Landesgruppe 5 des DFTV/DASD eintrat und die DE- Nr. 1129 erhielt. Er war der Vater von Dr. Dr. Lothar Rohde, Miteigentuemer der Fa. Rohde und Schwarz, Muenchen, der 1960 das Rufzeichen DJ5LR fuehrte. Der Koelner Radio-Club wurde am 7.2.1934, die Funktechnische Gesellschaft am 13.4.1934 aus dem Vereinsregister gestrichen, noch vor der Trennung des DASD vom DFTV (vgl. Teil 1, 16.11.1934).

17.6.1925
    Rolf Formis begann mit der Herausgabe der DE-Nummern (vgl. Teil 1). Unter den Inhabern der ersten 100 DE-Nummern war Dr. Wilhelm Ludolf Schmitz, DE 0072. Er war als Mitglied des Vereins der Funkfreunde Muelheim/Ruhr 1924 nach Bonn gezogen, um dort am physikalischen Institut der Universitaet eine Assistentenstelle anzunehmen. Schmitz war der erste Funkamateur der spaeteren KWG bzw. OG Bonn im DFTV/DASD.

1.9.1925
    OM Schmitz machte die ersten Sendeversuche, nachdem die Reichspost in sehr beschraenktem Umfange Sendelizenzen herausgegeben hatte (vgl. Teil 1, 1.9.1925). Oskar Becker wurde Mitglied im Koelner Radio-Club und begann mit dem Bau von Kurzwellenempfaengern, nachdem mit der Aufhebung der Audion-Versuchserlaubnis diese Versuche freigegeben waren.

1.11.1925
    OM Schmitz arbeitete unter dem Rufzeichen K4ACI.

1.2.1926
    Oskar Becker, Koeln-Riehl, begann damit, gleichgesinnte Freunde mit dem Ziel um sich zu scharen, in gemeinsamem Bemuehen die KWG Koeln im DFTV e.V. zu installieren. Die in der Slabystrasse gelegene Polizeifunkstelle bot in ihren Raeumen Gelegenheit zu ersten Versammlungen.

1.3.1926
    OM Schmitz erhielt mit dem Rufzeichen EK4ACI eine der 12 Individual-Lizenzen der damaligen Zeit.

1.6.1926
    Oskar Becker erhielt die DE-Nummer 0654. Er uebernahm die Leitung der KWG Koeln im DFTV. Etwa um diese Zeit begann er seine (illegale) Funktaetigkeit unter dem Rufzeichen EK4RY. Mit dem 1.6.1926 begann also im Gebiet des heutigen DARC- Distrikts Koeln- Aachen eine organisierte Taetigkeit von Funkamateuren, seinerzeit im Rahmen der KWG Koeln im DFTV e.V.

20.3.1927
    Der DASD wurde in Kassel aus der Taufe gehoben (vgl. Teil 1, 20.3.1927). Unter den 56 Gruendungsmitgliedern war als Vertreter des Rheinlandes (Rheinland-Westfalen) auch OM Dr. W.L. Schmitz, Muelheim/Bonn. Bei der Gebietsaufteilung des Reichsgebietes entstand auch die LG 5 (Rheinland-Westfalen), der Uhrahn des heutigen DARC-Distriktes Koeln- Aachen. Aus diesem Grunde kann das Datum des 20.3.1927 als Stichtag fuer die Bestimmung von Jubilaeumstagen des Distrikts Koeln-Aachen angesehen werden. Bezuege zu diesem Datum finden sich in den Anhaengen.

1.4.1927
    Georg Freiherr von Allizar, Barmen, DE 0655, EK4RA wurde zum ersten Leiter der LG 5 berufen. In der Geschichte des Distrikts folgten ihm 13 weitere OM nach (vgl. Anhang C). Die Funktionsbezeichnung wandelte sich mit den Jahren:
    • LGL bis 1.6.1937
    • LVF bis 21.4.1945
    • DM bis 10.9.1950
    • DV seit 10.9.1950.
    Der Name des ersten LGL 5 (G. v. Allizar) ist weitgehend in Vergessenheit geraten. Dabei gebuehrt ihm Anerkennung, denn er war es, der die schwierigen Wege fuer diese flaechenmaessig und nach Einwohnern groesste LG jener Zeit ebnete.

    Man beachte: Hier lagen 6 Reichspostdirektionen, naemlich Aachen, Dortmund, Duesseldorf, Koeln, Minden und Muenster!


31.12.1927 
    Die Zahl der eingeschriebenen Mitglieder der LG 5 betrug zum Jahresende 1927 bereits 46 OM. Alle hatten eine DE-Nummer (zwischen DE 0019 und DE 0994, vgl. Anhang E).

14.1.1928
    Das Fernmeldeanlagengesetz trat in Kraft (vgl. Teil 1).

1.1.1929
    Internationalen Bestimmungen entsprechend, wurden die Praefixe der Rufzeichen erneut geaendert (vgl. Teil 1).

    So wurden z.B. die bisherigen Rufzeichen EK4ACI (legal) - W. L. Schmitz, Bonn und EK4LYR (illegal) O. Becker, Koeln zu D4ACI (legal) und D4LYR (illegal).

    Der Vollstaendigkeit halber sei hier auch erwaehnt, dass Oskar Becker im Zeitraum 1927 bis 1931 die (illegalen) Rufzeichen D4RY, D4JU, D4JUR und erst dann D4LYR verwendete. Dies war jedoch fuer Bruno Garnatz in Berlin, den QSL-Vermittler, Dank dessen vorzueglicher Karteiorganisation kein Problem, wie QSL-Karten aus jener Zeit beweisen.


18/20.5.1929
    Auf der 5. Kurzwellentagung in Frankfurt/Main war beschlossen worden, die DE-Nummern nunmehr erst nach bestandener Pruefung zu erteilen (vgl. Teil 1, 17.6.1925). Die DE-Nummern ab 1051 wurden so behandelt. Der erste OM aus dem Raum Koeln-Aachen, der dieser Prozedur unterzogen wurde, war Erich Mueller, DE 1069, aus Koeln.

1.1.1930
    Heinz Evertz aus Koeln, DE 0723, EK4RE uebernahm die Leitung der LG 5. Ein geschaetzter OM, nicht nur seiner Funktion wegen: Er unterhielt den Eichdienst der LG 5. Es war seinerzeit fuer die OM nicht einfach, die Frequenzen ihrer Sender zu bestimmen. Da war ein solcher Eichdienst, der eine Messgenauigkeit von 1x10-4 hatte, von grossem Wert. Die Messprozedur war einfach und komfortabel: In einer Verbindung mit Evertz gab man QMF (messen Sie meine Frequenz) und erhielt kurz darauf ein Kaertchen mit der genauen Sendefrequenz und weiteren Daten. Dieser Eichdienst wurde auch von auslaendischen OMs gern und oft in Anspruch genommen. Dass Evertz zu solchen Dienstleistungen auch technisch in der Lage war, ergab sich aus seiner Verwandschaft zu Lothar Rohde (vgl. Teil 1).

31.12.1930
    Die Zahl der eingeschriebenen Mitglieder der LG 5 war auf 86 angewachsen.

31.12.1931
    Ungeachtet der schockierenden Zahlen der Erwerbslosen (vgl. Teil 1) war die Mitgliederzahl auf 110 gestiegen.

7.5.1932
    Oskar Becker heiratete. Seine Ehefrau Maria erwarb spaeter (November 1934) die DE-Nr. 2842.

30.1.1933
    Mit der Machtuebernahme durch Adolf Hitler wurden alle Lizenzen eingezogen (vgl. Teil 1). W.L. Schmitz, D4ACI zog sich vom Amateurfunk zurueck und trat aus dem Club aus. O. Becker stellte seine illegale Sendetaetigkeit ein.

1.3.1933
    Die dritte Ortsgruppe der LG 5, die OG Aachen, begann ihre offizielle Taetigkeit. OGL wurde Karl Jannes, Aachen, DE 1847.

9.4.1933
    Mit Dr. Josef Goebbels, dem neu ernannten Reichsminister fuer Volksaufklaerung und Propaganda, erhielt auch die LG 5 ihren neuen, obersten Chef.

11.4.1933
    Gustav Leithaeuser, Praesident des DFTV/DASD (vgl. Teil 1) ernannte Oskar Becker zum LGL 5.

Mai 1933
    Unter den Mitgliedern der LG 5 entstand, wie in allen LGen, einige Nervositaet, denn im Pro-Mi (Propagandaministerium) waren nun die Adressen und (illegalen) Rufzeichen aller Mitglieder bekannt (vgl. Teil 1).

    G. Leithaeuser war es gelungen, die "Gleichschaltung", d.h. die Umwandlung in eine nationalsozialistische Organisation, des DFTV/DASD zu verhindern. In dem Versuch, nunmehr den DASD "von innen her aufzurollen", nahm sich SA- Sturmbannfuehrer Hermann Schaefer die LG 5 als die groesste Landesgruppe aufs Korn (vgl. Teil 1).


29.4.1933
    Eine Haussuchung durch die politische Polizei bei O. Becker in der Slabystrasse in Koeln foerderte kein fuer ihn belastendes Material zu Tage.

30.4.1933
    In Solingen wurde der Verband Deutscher Funker (VDF) gegruendet. SS-Oberfuehrer Zech und der Regierungspraesident Duesseldorf beauftragten Dr. Alfred Huppertsberg, Essen, DE 0288, D4BJF, mit der Leitung des VDF. Trotz des eindeutig negativen Ergebnisses der am Vortage bei O. Becker stattgefundenen Haussuchung war diese Vereinsgruendung eine offensichtliche Kampfansage gegen den DASD und insbesondere dessen LG 5.

26.7.1933
    Der VDF wurde wieder aufgeloest.

1.8.1933
    Sowohl die Solinger Ereignisse als auch die besondere Groesse der LG 5 bewogen die Clubleitung in Berlin, diese groesste Landesgruppe im Zuge einer Neuorganisation aufzuteilen (vgl. Teil 1). Die neue Landesgruppe Rheinland hiess nunmehr LG I und stand unter der Leitung von Oskar Becker, der unbeschadet aus der ganzen Affaire herausgekommen war. Der Praesident des DASD, Prof. Leithaeuser, hatte sich uneingeschraenkt hinter ihn gestellt.

18.8.1933
    Auf der Funkausstellung in Berlin trat erneut Hermann Schaefer auf, nun als SA-Sturmbannfuehrer, und erklaerte den anwesenden OM, dass die lange erwarteten Lizenzen nunmehr ausgegeben wuerden.

27.8.1933
    Der LGL I, OM Oskar Becker, erhielt seine erste legale Lizenz mit dem Rufzeichen D4BAI. 

    Ein Blick zurueck auf diesen besonders ereignisreichen Monat August 1933:

    Die LG 5 hatte als eigenstaendige Landesgruppe ihr Dasein beendet. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie 165 Mitglieder, von denen 129 am 1.8.1933 eine DE-Nummer fuehrten (vgl. auch Anhang F).


14.1.1934
    Der DASD verstaerkte seine OEffentlichkeitsarbeit. In diesem Sinne gab auch der Leiter der LG I, Oskar Becker, in der CQ bekannt, dass die naechste DE-Pruefung am 14.1.1934 in Koeln-Riehl, Slabystrasse durchgefuehrt werde. Als Pruefer waren benannt Oskar Becker, DE 0654, Karl Heinz Hoesch, DE 1529 und Bodo Assbach, DE 1531. Dies war die erste Mitteilung in dieser Art und Form in der LG I.

1.1.1935
    Aufgrund einer erneuten Umstellung der Rufzeichen (Suffixe) erhielt OM Becker nun das Rufzeicen D4AII. Dank seiner Tuechtigkeit hatte die LG I bereits zum Jahreswechsel 1934/35 die gleiche Mitgliederzahl erreicht, die vorher die (raeumlich viel groessere) LG 5 hatte, naemlich 165. Eine stolze Bilanz. Die erste Ausgabe der NB-I (Nachrichtenblaetter der Landesgruppe I) erschien in Koeln. Herausgeber war O. Becker. Sie waren Vorlaeufer und Muster auch spaeterer Publikationen, wie des MB-KA (Mitteilungsblatt des Distriktes Koeln-Aachen), die vom 1.6.1952 bis zum 1.12.1963 ebenfalls von O. Becker herausgegeben wurden, oder der KA-INFO, die, von H. Ellgering, DL9MH herausgegeben, seit 1986 in unregelmaessiger Reihenfolge erscheint. Solche Blaetter stellen nicht unwichtige Verbindungsglieder zwischen den Vorstaenden der Landesgruppen (Distrikte) und ihren Mitgliedern dar.

21.3.1935
    Am 1.3. war (vgl. Teil 1) die "Bekanntmachung ueber Versuchsfunksender" herausgegeben worden. Die Funkamateure wurden darin als "Funkfreunde" angesprochen - der Umgangston wandelte sich. Der DASD wurde als Partner der NS-Stellen angesehen, mit dem man auch Vertraege schloss, wie etwa den Vertrag zwischen DASD und Hitlerjugend (vgl. Teil 1). Dieser Vertrag hatte insoweit einige Bedeutung fuer die LG I, als 12% der Mitglieder ihrer mitgliederstarken OG Aachen aus der Hitlerjugend kamen. Naeheres zu dieser interessanten OG ist der "Geschichte des Amateurfunks in Aachen" (H. Schifferdecker) zu entnehmen.

31.12.1935
    Die Mitgliederzahl der LG I betrug 172.

1.4.1936
    Aufgrund der mit der Mitgliederzahl wachsenden Aufgaben wurden den LGL Funkbetriebsreferenten zugeordnet. Der erste dieser Referenten war in der LG I Peter Esser, Koeln, DE 1960, D4YRI, heute DL1WL.

17.12.1936
    Als vierte OG der LG I wurde die Ortsgruppe Bad Godesberg gegruendet.

31.12.1936
    Der Mitgliederbestand der LG I war auf 209 angewachsen.

22.1.1937
    Die OG Dueren wurde gegruendet.

26.1.1937
    Die OG Gummersbach wurde gegruendet.

1.6.1937
    Die Leitung des DASD in Berlin aenderte die Dienststellenbezeichnungen. Die Landesgruppe Rheinland (LG I) hiess neu Landesverband Rheinland (LV I), die Landesgruppenleiter hiessen nun Landesverbandsfuehrer (LVF). Die Bezeichnungen der Ortsgruppen aenderten sich analog in OV und die ihrer Leiter in OVF. Inzwischen gab es 498 legale Rufzeichen (vgl. Teil 1).

3.8.1937
    Der OV Siegburg wurde gegruendet.

31.12.1937
    Der LV I hatte nun 296 Mitglieder.

1.6.1938
    Die Namen der Landesverbaende wurden - wohl aus politischen Gruenden - erneut geaendert. Der LV I hiess nun "Landesverband Niederrhein".

15.6.1938
    Als letzter OV des LV I vor dem Krieg wurde der achte OV in Juelich aus der Taufe gehoben.

1.1.1939
    Alle Angehoerigen der Polizei, die Mitglieder im DASD waren, mussten aus politischen Gruenden ihre AEmter im DASD aufgeben. Im LV I traf dies den LVF Oskar Becker ebenso wie den OVF Aachen, Otto Noetzel, DE 3906. Beckers Nachfolger als LVF wurde kommissarisch Theo Greuelsberg, Koeln, DE 3930.

1.2.1939
    Die letzte Ausgabe der NB-I kam zum Versand. Das Ausscheiden von O. Becker wurde auch so spuerbar.

1.8.1939
    Theo Greuelsberg wurde als LVF I eingesetzt. Er war der letzte Inhaber dieses DASD-Amtes im LV I.

1.9.1939
    Mit dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges erstarben fast alle Amateurfunktaetigkeiten in Deutschland (vgl. Teil 1). Der seinerzeit in Berlin wohnende Oskar Becker erhielt eine der wenigen Kriegsfunk- Sondergenehmigungen (KFSG) vom Oberkommando der Wehrmacht (OKW).

1946
    Dem Beispiel der Stuttgarter OMs folgend (vgl. Teil 1), begannen auch im Gebiet Koeln-Aachen Funkamateure mit illegalem Funkbetrieb unter Rufzeichen der Praefixe DA4---.

    Bekannt sind folgende Zahlen:

    • OV Aachen: 11 OM
    • OV Bad Godesberg: 3 OM
    • OV Berg. Gladbach: 1 OM
    • OV Bonn: 8 OM
    • OV Dueren: 2 OM
    • OV Koeln: 11 OM.

21.5.1947
    Waehrend es den Stuttgarter OMs bereits 1946 gelungen war, eine gewisse Legalitaet zu erhalten (vgl. Teil 1), waren die Briten unter General Robertson im Westen deutlich zurueckhaltender. Schliesslich klappte es aber auch hier:

    Am 21.5.47 unterschrieb Major R.G.Shears, G8KW, ein Freund der deutschen Funkamateure, in seiner Eigenschaft als Chef der Radio Section Control Commission for Germany eine Urkunde, welche die Genehmigung zur Gruendung des DARC/BZ enthielt.

    Der DARC/BZ wurde in Hamburg gegruendet.

    Als Gruendungsmitglieder fungierten:

    • Hans Goldmann, Bremen, DE 2074, ab 1949 DL1KH,
    • Karl Ernst Wetzlar, Duesseldorf, DE 0829, ab 1949 DL1OD,
    • Rudi Rapcke, Hamburg, DE 0356, ab 1949 DL1WA,
    • Alfred Mueller, Kiel, DE 1885, ab 1949 DL1FL,
    • Hans Pazem, Koeln, DE 3191, ab 1949 DL1KB,
    • Herrmann Fering, Oberhausen, DE 6549, ab 1949 DL1JT,
    • Otfried Luehrs, Wilhelmshaven, DE 6220, ab 1949 DL1KV,
    • Willy Stumpf, Oberhausen, ab 1949 DL1JS.
    Es war geschafft!

8.6.1947
    Anlaesslich der Kurzwellentagung in Stuttgart stellte sich die mittlerweile gewaehlte Fuehrungsmannschaft des DARC/BZ vor:
    • Praesident: Rudi Rapcke, Hamburg
    • Distrikt Bremen: Hans Goldmann, Bremen
    • Distrikt Koeln-Aachen: Walter Fuehr, Koeln
    • Distrikt Hamburg: Rudi Rapcke, Hamburg
    • Distrikt Niedersachsen: Rudi Meissner, Hameln
    • Distrikt Ruhr: Hermann Ferring, Oberhausen
    • Distrikt Schleswig-Holstein: Alfred Mueller, Kiel
    • Distrikt Westfalen: Artur Lottermoser, Heidenoldendorf.
    Die leitenden OM im DARC/BZ nannten sich Distriktsmanager (DM) und vertraten (mit Ausnahme von Hans Goldmann) die hier vor ihren Namen stehenden Distrikte. Bald nach der Stuttgarter Tagung begann man - hauptsaechlich der WBRC und der DARC/BZ - mit der Ausgabe von DE-Nummern auf der Basis einer bestandenen DE-Pruefung.

    Die erste Nachkriegs-DE-Nummer erhielt Sepp Maurer, Kaufbeuren (DE 8000).


21.8.1948
    Oskar Becker, inzwischen von Berlin nach Koeln zurueckgekehrt, legte vor der OPD Koeln mit Erfolg eine Lizenzpruefung ab und erhielt hierueber eine formelle Bescheinigung.

23.3.1949
    Nach Verabschiedung des Gesetzes ueber den Amateurfunk am 14.3.1949 begannen die OPDen in Westdeutschland mit der Ausgabe von legalen Amateurfunk-Sende-und Empfangslizenzen.

10.9.1950
    Die 8 Einzelclubs (9 mit dem VFDB) schlossen sich zum Gesamt- DARC zusammen. Die DM der Distrikte wurden nun als DV (Distriktsvorsitzende) bezeichnet. Mit diesem Datum endet vorerst diese Darstellung der Geschichte des Amateurfunks im Distrikt Koeln-Aachen. Die weitere Entwicklung des DARC- Distrikts Koeln-Aachen wird zu einem spaeteren Zeitpunkt geschrieben werden. Interessierte koennen einige Kerndaten dieser Entwicklung jedoch bereits jetzt aus den Anhaengen

    A Ortsverbaende im Distrikt Koeln-Aachen,

    B Jubilaeumstage im Distrikt Koeln-Aachen und

    C Leitende OM im Distrikt Koeln-Aachen entnehmen.


Anhang A:

Ortsverbaende im Distrikt Koeln-Aachen

Die Ortsverbaende sind in der nachfolgenden Aufstellung nach den heute gueltigen DOK geordnet. Es muss darauf hingewiesen werden, dass diese DOK im DARC, und damit auch im Distrikt Koeln-Aachen, erst ab 18.10.1955 vergeben wurden.


G01 Aachen 01.03.1933 Karl Jannes, DE 1947
G02 Alsdorf 15.04.1949 Eberhard Goergens, DL1NA
G03 Bonn 20.03.1927 Dr. Wilhelm Ludolf Schmitz, DE 0072
G04 Dueren 22.01.1937 Karl Krumbach, DE 3796
G05 Eschweiler 28.06.1955 Jakob Muenstermann, DJ2MP
G06 Euskirchen 05.12.1953 Hubert Esser, DL1JW
G07 Gummersbach 26.01.1937 Dr. Georg Kohlgrueber, DE 2567
G08 Bad Godesberg 17.12.1936 Hans Schmitt, DE 6127 
------ 2. Gruendung 15.10.1954 Wilhelm Bartel, DJ1HC
G09 Bad Honnef 12.07.1955 Markwart v. Sobeck-Werder, DL3GK
G10 Koeln 01.02.1926 Oskar Becker, DE 0654
G11 Leverkusen 19.03.1949 Hans Peter Steinacker
G12 Koeln-Porz 22.05.1954 Karl Heinz Hahn, DL3FF 
G13 Selfkant 09.10.1954 Hans Karl Graf v. Ansembourg, DL9CY
G14 Herzogenrath13.11.1955 Peter Hessel-Astridis, DE 8411
G15 Siegburg 03.08.1937 Peter Esser, D4YRI
----- 2. Gruendung 05.03.1956 Paul Prost, DL1KA
G16 Juelich 15.08.1938 Peter Plum, (1949) DL6OU
------ 2. Gruendung 25.03.1956 Josef Bischoff, DJ4ED
G17 Roesrath 24.11.1956 Wilhelm Kirschbaum, DJ3RI
G18 Rurland 07.09.1957 Josef Knipprath, DL1NC
G19 Berg.-Gladbach 13.05.1960 Werner Gierlach, DL6VW
G20 Bergheim 24.09.1960 Josef Tuellmann, DJ5DL
G21 Dormagen 22.04.1961 Jakob Becker, DL6OZ
G22 Gemuend/Eifel 01.02.1964 Franz Josef Goerres, DJ7SM
G23 Meckenheim 13.04.1965 Otto Herrmann, DJ2FA
G24 Koeln-Deutz 13.04.1967 Dieter Mindhoff, DJ3GI
G25 Siebengebirge 15.07.1967 Wolfgang Oepen, DL3OE
G26 Nordeifel 04.04.1969 Guenther Pesch, DJ2XB
G27 Troisdorf 02.05.1970 Walter Frembgen, DK3CP
G28 Berg-Mark 14.02.1971 Hans Gerhard Rausch, DJ7CP
G29 Kerpen 26.02.1971 Wolfgang Guenther, DK2PX
G30 Stolberg 27.10.1973 Franz Brandt, DK7KW
G31 Bruehl 27.09.1975 Hans Goldschmidt, DL2HX
G32 Windeck 16.07.1976 Klaus Dieter Strauss, DB7KK
G33 Bonn-Hardtberg 16.07.1975 Dirk Ellinger, DC4KC
G34 Berg.-Neukirchen 10.06.1977 Herbert Essrich, DC2KF
G35 Koeln-Nord 17.09.1977 Wilfried Breuer, DL5KX
G36 Erftstadt 16.12.1977 Egon Fitz, DJ4QS
G37 Wesseling 17.12.1977 Rainer Blase, DB6KB
G38 Wegberg 28.03.1978 Norbert Eckers, DF4KI
G39 Koeln-West 02.03.1979 Dieter Loeffler, DK9KD
G40 Pulheim 20.10.1980 Hans Wesseling, DG1KM
G41 Heimbach 08.02.1981 Rudi Klemmt, DJ3GG
G42 Kreuzau 02.12.1982 Heinz Klopsch, DF7KO
G43 Wahnbachtal 21.10.1983 Dieter Hubrig, DJ2HH
G44 Koeln-Dellbrueck 25.11.1983 Annemie Hannappel, DF3KX
G45 Aachen-Burtscheid 15.12.1983 Heinz Louis, DK4KW
G46 Swisttal 26.01.1985 Pedro Schueller, DK5PE
G47 Wuerselen 25.01.1986 Reinhard Schlotte, DC9KU
G48 Koenigswinter 22.10.1986 Dr. R.v.Steiner- Haldenstaett, DJ0MAF
G49 Wurmtal 27.08.1988 Hubert Baumann, DK6KW
G50 Huerth 03.05.1990 Herbert Verbrueggen, DL5KAV
G51 Aquisgranum 06.12.1988 Armin Opitz, DL1KCD
G52 St. Augustin 03.06.1989 Peter Braun, DL9SJ
G53 Niederkassel 26.01.1990 Heinz Hofmann, DL6AP 

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Anhang B:

Jubilaeumstage im Distrikt Koeln-Aachen

Jubilar besteht Jahre am (Datum)

Distrikt Koeln-Aachen 65 20.03.1992
OV Aachen (G01) 60 01.03.1993
OV Bonn (G03) 65 20.03.1992
OV Koeln (G10) 70 01.02.1996 

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Anhang C:

LeitendeOM im Distrikt Koeln-Aachen (und Vorgaenger) seit 1927

Von bis / Funktion / Funktionstraeger

01.04.1927-01.01.1930 LGL 5 DFTV e.V./DASD Georg Freiherr v. Allizar, Barmen, DE 0655, EK4RA
01.01.1930-11.04.1933 LGL 5 DFTV e.V./DASD Heinz Evertz, Koeln, DE0723, EK4RE
11.04.1933-01.01.1939 LGL 5 DFTV e.V./DASD Oskar Becker, Koeln, LGL I " /DASD eV.DE 0654, D4YLR, D4BAI
01.01.1939-01.08.1939 komm. LVF I DASD e.V. Theo Greuelsberg, Koeln,
01.08.1939-21.04.1945 LVF I DASD e.V. DE 3930 
21.05.1947-10.09.1950 DM Koeln-Aachen DARC/BZ Walter Fuehr, Koeln, DE 1652, DL3GH
10.09.1950-09.03.1952 DV Koeln-Aachen DARC e.V. Walter Fuehr, Koeln, DE 1652, DL3GH
09.03.1952-04.05.1957 DV Koeln-Aachen DARC e.V. Oskar Becker, Koeln, DE 0654, DL1JU
04.05.1957-30.03.1963 DV Koeln-Aachen DARC e.V. Sebastian Huber, Koeln, DE 1570, DL1WN
30.03.1963-10.01.1969 DV Koeln-Aachen DARC e.V. Heinz Schifferdecker, Koeln, DE 1980, DL7AC
10.01.1969-19.04.1969 DV Koeln-Aachen DARC e.V. Wilhelm Kirschbaum, Roesrath, DJ3RI
19.04.1969-19.05.1973 DV Koeln-Aachen DARC e.V. Wolfgang Oepen, Hennef, DL3OE
19.05.1973-09.11.1975 DV Koeln-Aachen DARC e.V. Wilhelm Kinkartz, Broichweiden, DL1DT
09.11.1975-21.03.1987 DV Koeln-Aachen DARC e.V. Dr. Uwe Doebereiner, Odenthal, DJ8PI
21.03.1987 bis heute DV Koeln-Aachen DARC e.V. Dr. Horst Ellgering, Koenigswinter, DL9MH

Ergaenzung:

Dr. Horst Ellgering, DL9MH, wird Ende 1992 zum 1. Vorsitzenden DARC e.V. gewaehlt. Nachfolger als DV Koeln-Aachen wird Jochen Hindrichs, DL9KCX, Koeln-Porz; 1997 Wiederwahl. Kurz danach wird er zum 2. Vorsitzenden DARC e. V. gewaehlt. Der Distrikt wird geleitet vom 2. Vorsitzenden Egon Meier-Engelen, DK7EI, Leverkusen. Im Oktober 1997 wird Manfred May, DJ1KF, zum neuen Distriktsvorsitzenden gewaehlt, Wiederwahl im Frühjahr 1999. Nach seinem tragischen Tod Mitte 1999 wird Helmut Arenz, DL3KAA, zum Nachfolger als DV Koeln-Aachen gewählt.
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Anhang D:

Praesidenten der Amateurfunkverbaende ab 1925

Von -bis / Verband 

28.07.1925-27.05.1928 DFTV e.V./DASD Prof. Abraham Esau, Jena, DE 0200, EK4AAL
27.05.1928-01.10.1932 DFTV e.V./DASD Oberst Otto Fulda, Berlin, DE 0500
09.4.1933-01.10.1934 DFTV e.V./DASD Prof. Gustav Leitaeuser, Berlin
15.10.1934-01.10.1935 DASD e.V. Vizeadmiral Dr.h.c. Otto Groos, Berlin
01.10.1935-22.07.1939 DASD e.V. Konteradmiral Heinrich Gebhardt, Berlin
15.05.1940-21.04.1945 DASD e.V.SS-Obergruppenfuehrer und General der Waffen-SS Ernst Sachs, Berlin
21.05.1947-10.09.1950 DARC/BZ Rudi Rapcke, Hamburg, DE 0356, DL1WA
10.09.1950-16.06.1951 DARC e.V. Richard Auerbach, Hamburg, DE 3831, DL1FK
16.06.1951-12.11.1961 DARC e.V. Rudi Rapcke, Hamburg, DE 0356, DL1WA
12.11.1961-30.11.1971 DARC e.V. Karl Schultheiss, Bochum, DL1QK

Mit dem 30.11.1971 endet die Liste der Praesidenten der Amateurfunkverbaende in Deutschland. Durch Satzungsaenderung wurde der DARC e.V. fortan von einem aus drei Mitgliedern bestehenden Vorstand gefuehrt. 

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Anhang E:

Mitgliederliste der LG 5 des DFTV e.V./DASD 1925 bis 1933

Diese Liste besteht aus zwei Teilen:

Teil A: Hier sind diejenigen Mitglieder verzeichnet, die in der Zeit des Bestehens der LG 5 (1.8.1925 bis 1.8.1933) eine DE-Nummer fuehrten.

Teil B: Dieser Teil enthaelt diejenigen Mitglieder der LG5, die in der gleichen Zeit keine oder noch keine DE-Nummer hatten.

(Hinweis: Diese Listen muessen noch eingearbeitet werden) 

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Mitgliederliste der LG I des DASD e.V. 1933 bis 1939

In dieser Liste sind sowohl solche Mitglieder aufgefuehrt, die zum Zeitpunkt der Umbenennung der LG 5 in LG I in die letztere uebernommen wurden, als auch diejenigen, welche in den Jahren 1933 bis 1939 Mitglieder wurden. Dies erklaert, warum in der nachfolgenden Liste Eintrittsdaten auftauchen, die weit vor dem Datum der Einrichtung der LG I liegen. Die angegebenen Wohnorte beziehen sich auf den jeweiligen Zeitpunkt des Eintritts in den jeweiligen Verband (DFTV e.V./DASD / DASD e.V.). Die in der Spalte OG/OV verwendeten Abkuerzungen bedeuten:

  • A = Aachen
  • B = Bonn
  • D = Dueren
  • G = Bad Godesberg
  • Gu= Gummersbach
  • J = Juelich
  • K = Koeln
  • S = Siegburg
(Hinweis: Diese Listen muessen noch eingearbeitet werden) 

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DASD e.V. Merkblatt "Das Wunder der Kurzwellen"



Dokumente aus der Festschrift "70 Jahre Amateurfunk in Siegburg" von Edgar, DD9KE

Shack 1949: Paul Prost, DL1KA, 1. OVV G15 Siegburg 1956-1958

Shack 1949: Paul Prost, DL1KA, 1. OVV G15 Siegburg 1956-1958

DV-Liste KA 1956

Mitteilungsblatt Köln-Aachen 1958


TV-AMATEUR-Artikel "ATV-Pioniere im Rheinland", Teil 1 (6 MB)

TV-AMATEUR-Artikel "ATV-Pioniere im Rheinland", Teil 2 (6,4 MB)

TV-AMATEUR-Artikel "ATV-Pioniere im Rheinland", Teil 3 (1,2 MB)


Mobil-ATV im VW-Bus, Wolfsburg 1968

ATV-Demo beim Europatreffen Wolfsburg 1968port. ATV-Empf. mit XYL von DJ1KF

Eigenbau-TV-Kamera DJ8DW 1967

Haben Sie noch weitere Dokumente, QSL-Karten, Fotos oder Berichte, die wir einbinden sollten? - Dann mailen Sie uns bitte:


Letztes Update: 23.1.2011 (by DL4KCK)