Das V/U/S-Referat plant Bandplanaenderungen
 

Aus einem Schreiben des V/U/S-Referenten Heinz-Guenter Boettcher,
DK2NH, vom 12.08.96 an den Amateurratssprecher, OM Alfred Reichel,
DF1QM zitieren wir woertlich:


„Das BAPT hat mit drei Schreiben Nutzungseinschraenkungen im 70-cm,
23-cm und 3-cm Band verfuegt.

Im 70-cm-Band ist der ISM-Bereich 433,05-434,79 MHz, im 23-cm-Band
der Bereich 1247-1263 MHz fuer automatische Stationen nicht mehr
verfuegbar. Im 3-cm-Band ist der Bereich 10400-10500 MHz fuer
automatisch arbeitende Sendestationen gesperrt.
Das Referat VHF/UHF/SHF wird in naechster Zeit nach Loesungen suchen,
die moeglichst viele der beabsichtigten Anwendungen erlauben.
Dabei werden die entsprechenden Bandplaene der IARU und des DARC
Grunlage sein.

Im 70-cm-Bandplan der IARU ist unter der Fussnote: g die Moeglichkeit
eroeffnet, digitale Linkverbindungen mit den Frequenzen 430,400-
430,575 MHz und 439,800-439,975 MHz einzurichten.
Fuer den DARC hatten wir in der Vergangenheit von der Verwendung
dieser Frequenzen abgesehen. Die hohe Auslastung der fuer PR
verwendeten 70-cm Frequenzen und die Sperrung des ISM-Bereiches fuer
automatische Stationen lassen es geraten sein, diese Bandplanoption
jetzt zu nutzen. In einigen Nachbarlaendern ist nach unserer Kenntnis
mit der Belegung dieses 9,4 MHz Systems begonnen worden. Ein weiteres
Abwarten wird uns in die Situation bringen, im westlichen grenznahen
Raum keine freien Frequenzen mehr zu finden.

Das Referat wird diese Vorgehensweise anlaesslich der IARU-Tagung
bekannt geben und eine Vorlage zur HV des AR im Herbst 96
vorbereiten.
Weiterhin ist beabsichtigt, den Frequenzbereich 434,79-435,000 MHz
ebenfalls mit Anwendungen zu versehen. Dabei gehen die Ueberlegungen
dahin, mit einer Ablage von +-4,8 MHz, also 439,59-439,8 MHz weitere
digitale Nutzungen zu ermoeglichen. Dabei ist auch an hoehere
Datenraten und andere Informationsinhalte gedacht. Nach der IARU-
Tagung wird hierueber zu befinden sein.

Als Konsequenz muessten die, nach Kenntnis des Referates, geringen
Aktivitaeten im FM-Simplex-Betrieb am oberen Bandende verlagert
werden. Fuer einige Sonderanwendungen sind die Frequenzen oberhalb
Kanal R 101 bis R 107 vorgesehen. Die Kanaele R 92-R 97 koennten dann
fuer FM-Relais oder Sprachspeicher freigegeben werden.
Die Verwendung des ISM-Bereiches fuer den individuellen FM-Betrieb
bietet sich als Ersatzloesung an.

Eine Beeintraechtigung der 70-cm-ATV Aktivitaeten kann durch
regionale Schutzzonen realisiert werden.

Zu den anderen eingeschraenkten Frequenzbereichen gibt es z.Zt. keine
abschliessenden Ueberlegungen. Diese wird im Referat in naechster
Zeit weiterentwickelt werden.
Gruss

gezeichnet: Heinz-Guenter Boettcher, DK2NH
Referat VHF/UHF/SHF“



Zu diesen Plaenen und zum Thema Vernetzung von ATV-Relais folgt ein
Kommentar von Manfred, DJ1KF,
dem 2. Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Amateurfunkfernsehen:

Keine Frequenzen - keine Zukunft fuer ATV und D-ATV!

Die Ideen der Schmalbandlobbyisten, im Rahmen der Detailed Spectrum
Investigation II neue Amateurbaender bei 50-52 MHz, 70 MHz und 919,5-
920 MHz im Tausch gegen 2 MHz des 70 cm-Bandes zu erhalten, scheinen
vorerst gescheitert zu sein. Lange sah es so aus, als ob dabei das
Band sogar auf 432-438 MHz beschnitten werden sollte.

Der Verlust an Amateurfunkbereichen durch die Verweigerung der
Behoerden, feste Amateurfunkstellen auf bestimmten Bereichen
sekundaer zugeteilter Baender zuzulassen, nimmt inzwischen
bedrohliche Formen an:
Im 70-cm-Band ist der ISM-Bereich 433,05 - 434,79 MHz, im 23-cm-Band
der Bereich von 1247 - 1263 MHz und im 3-cm-Band der Bereich von
10400 - 10500 MHz ab sofort fuer neue automatisch arbeitende
Sendestationen gesperrt.
In England ist auf 3-cm der Bereich von 10150 - 10300 MHz zugunsten
kommerzieller WLL-Anbieter dem Amateurfunk entzogen worden. Im Zuge
der europaeischen Harmonisierung ist nicht auszuschliessen, dass
diese Entwicklung auch in Deutschland droht.
Durch die auf der WARC-92 erfolgte co-primaere Zuweisung des
Frequenzbereiches 2310 - 2360 MHz an den digitalen Tonrundfunkdienst
ueber Satelliten und an den komplementaeren digitalen terrestrischen
Tonrundfunk duerfte auch das 13-cm-Band in Zukunft stark beschnitten
werden.

In einer - aus ATV-Sicht - Ueberreaktion will das V/U/S-Referat jetzt
noch folgende 70-cm-Bereiche fuer digitale Verbindungen nutzen:
430,400 - 430,575 MHz und 439,800 - 439,975 MHz (mit einer Ablage von
9,4 MHz) und
434,790 - 435,000 MHz und 439,590 - 439,800 MHz (mit einer Ablage von
+4,8 MHz).
Fuer einige Sonderanwendungen sind die Frequenzen oberhalb Kanal R
101 bis R 107 vorgesehen, die Kanaele R 92 - R 97 sollen dann fuer
FM-Relais oder Sprachspeicher freigegeben werden. Der individuelle
FM-Betrieb soll im ISM-Bereich stattfinden.

Das ist eine „Kampfansage“ gegen die Betriebsart ATV auf 70-cm. Feste
Funkstellen in der Naehe des Bildtraegers (434,250 MHz) und im
Bereich des Tontraegers (439,750 MHz) werden auch den Betrieb der
verbliebenen ATV-Stationen und Umsetzer sowie die anstehenden D-ATV-
Tests unmoeglich machen.
Auch die Aufforderung, den Individualverkehr auf den ISM-Bereich zu
verlegen, verstoesst gegen die Vereinbarung der AGAF mit dem V/U/S-
Referat auf der Arbeitstagung: „Aktion Rettung des 70-cm-Bandes“ am
20./21. Januar 1995 in Kassel, den ISM-Bereich in voller Breite
bevorzugt fuer Digital-ATV- und aehnliche Anwendungen freizuhalten.

In einem einzigen Satz findet man in dem Entwurf zu den
Bandplanaenderungen einen Hinweis, dass auf 70-cm auch noch ATV zu
hause ist (woertliches Zitat):
„Eine Beeintraechtigung der 70-cm-ATV Aktivitaeten kann durch
regionale Schutzzonen realisiert werden.“
Ich habe ihn sorgfaeltig gelesen - und bin sehr erschrocken. Schon
mit dem Begriff „Schutzzonen“ verbindet sich bei mir die Vorstellung
von Indianer-Reservaten. Wird mit den TV-Amateuren - bildlich
gesprochen - aehnlich verfahren? Soll jetzt jeder Aktive seine
Schutzzone beantragen - und dann verteidigen muessen? Wie weit
muesste so eine individuelle Schutzzone reichen? Bisher hatte mein
70-cm-ATV-Sender eine Reichweite von rund 200 Km!

So kann die Selbstregulierung im Amateurfunk doch wohl nicht
aussehen!

Vorsorglich wird die AGAF eine DL-weite „Schutzzone“ fuer D-ATV fuer
den gesamten ISM-Bereich beantragen, denn wenn es nicht gelingt,
einen zusammenhaengenden Frequenzbereich fuer diese Entwicklung
freizuhalten, koennen wir diese ganz einstellen.

Im Juli 1995 hat die AGAF beim DARC den Antrag auf korporative
Mitgliedschaft gestellt. Obwohl dies nach der Satzung vorgesehen ist,
wurde dieser Antrag nicht dem Amateurrat vorgelegt. Der DARC-Vorstand
hat stattdessen mit Beschluss vom 07. Maerz 1996 vorgeschlagen, die
AGAF mit der Vertretung des Sachgebiets „analoge und digitale
Bilduebertragung“ innerhalb des V/U/S-Referates zu beauftragen. Das
waere ein akzeptabler Kompromiss fuer eine Zusammenarbeit, wenn sie
denn zustande kaeme. Nach mehr als einem halben Jahr gibt es aber
immer noch keinen Termin zur Festlegung der
Kooperationsvereinbarungen.

Diese Zusammenarbeit wird vom V/U/S-Referat anscheinend nicht
gewuenscht. Auf der Referatstagung Ende Maerz in Bebra wurde
tatsaechlich nachgefragt, ob der AGAF-Vertreter (DJ1KF) berechtigt
sei, an der (oeffentlichen) Tagung teilzunehmen! Die Einbeziehung der
AGAF in die Arbeitsgruppe zur UEberarbeitung der Parameter der IARU-
FM-ATV-Norm (die in sich als nicht schluessig erkannt worden ist),
laeuft nur in einer Einbahnstrasse von der AGAF zum DARC. Der
mehrfach beschlossene Frequenz(planungs)-ausschuss hat sich auch noch
nicht konstituiert.

Nur ueber die Informationskanaele im Distrikt wurde bekannt, dass
Vertreter des DARC am 22.07.96 mit dem BAPT ueber die Vernetzung von
ATV-Relais sprechen wollten. Mitarbeiter des V/U/S-Referates haben
sich gegen eine moegliche Vernetzung ausgesprochen, der AGAF sind
jedoch keine Sachargumente genannt worden. Die AGAF erstellte von
sich aus einen mehrseitigen Katalog, der fuer die Moeglichkeit zur
Vernetzung von ATV-Relais warb und stellte diesen OM Schlink mit der
Bitte um Unterstuetzung zu. Bis heute hat die AGAF noch kein
Protokoll der Verhandlungen mit dem BAPT erhalten. Auf Nachfrage
bestaetigten Vorstandsmitglieder des DARC’s jedoch, dass die Behoerde
nichts gegen eine lokale Vernetzung von ATV-Relais habe und in
Zukunft diese genehmigen wolle. Damit soll eine Gleichstellung mit
der Genehmigungspraxis fuer PR-Digis herbeigefuehrt werden. Selbst
eine Vernetzung von FM-Umsetzern scheint fuer die Zukunft in Betracht
gezogen zu werden.

Dies ist eine zukunftsweisende Entscheidung, die vom Vorstand des
DARC auf seiner letzten Sitzung positiv bestaetigt wurde. Nun gilt
es, schnellstens die ATV-feindlichen Plaene des V/U/S-Referates zu
stoppen. Liebe Mitglieder, nutzen Sie Ihre demokratischen
Mitwirkungsmoeglichkeiten in Ihren Distrikten. Ohne Frequenzen wird
es keine Zukunft fuer ATV
geben!
(Manfred, DJ1KF)


Der Distrikt Koeln-Aachen hat auch bereits auf die Plaene des
V/U/S-Referates reagiert:


Regionale Schutzzone fuer D-ATV-Anwendungen beantragt
 

Der Distriktsvorsitzende Jochen Hindrichs, DL9KCX, hat mit Schreiben
vom 12.9.1996 an das VUS-Referat die Respektierung einer 200 km
weiten
Schutzzone fuer D-ATV-Anwendungen im Bereich 433-435 MHz beantragt.
Hintergrund dieses Antrags sind Ueberlegungen im VUS-Referat, weitere
Frequenzen unterhalb 432 MHz fuer zusaetzliche PR-Anwendungen zu
oeffnen
und den individuellen FM-Betrieb in das ISM-Band zu verlegen.

Diese geplante Regelung entspricht nicht den im Januar 1995 vom VUS-
Referat gegebenen Zusagen, den ISM-Bereich in voller Breite bevorzugt
fuer Digital-ATV und aehnliche Anwendungen freizuhalten. Nur bei
einem
zwei MHz umfassenden Frequenzspektrum ist es moeglich, Experimente
mit digitalen Uebertragungen durchzufuehren, zu denen das BMPT/BAPT
im Fruehjahr letzten Jahres eine ausdrueckliche Erlaubnis erteilt
hatte.
Diesem Antrag unseres Distriktsvorsitzenden an das BMPT/BAPT war ein
mehrheitlich gefasster Beschluss der Distriktsversammlung in Gemuend
am 25.3.1995 vorausgegangen.

Ziel der Experimente ist es, eine echte digitale Mehrwertuebertragung
zu erreichen, die es erlaubt, PR, D-ATV und Phonie auf einer Frequenz
in Zeitschlitzen gleichzeitig zu uebertragen. Ueber den Stand dieser
Entwicklung werden wir auf der Distriktsversammlung in Koeln-Deutz
berichten.

Im Schreiben des VUS-Referats wird die Einrichtung von Schutzzonen
fuer diese Anwendungen vorgesehen. Der Distrikt Koeln-Aachen macht
hiervon Gebrauch.

Vy 73 de Jochen, DL9KCX