PR-Broadcast :(contra DATV)

Im vorigen Rundspruch hatten wir berichtet, dass die Planungen des VUS-
Referates zur Einfuehrung von PR-Broadcast zu Lasten der Betriebsart ATV
ohne Beruecksichtigung einer Entscheidung des Amateurrates erfolgten.
Dies unterstreicht auch der Antrag des DV Nordrhein, den wir hier zitieren:

"Die Entscheidung des VHF/UHF/SHF-Referates, bei 433 MHz im 70cm-Band
sogenannte "Broadcast"-Anwendungen zu forcieren, hat uns vor ein
Problem gestellt. Der Amateurrat hatte im April 1989 die heutige
Packet-Landschaft bei 430,600-430,975 und oberhalb 438,025 MHz be-
schlossen. Dies leider mit dem Zusatz, dass Packet Radio den Bereich
bei 433 MHz zu verlassen habe: Wer das Protokoll hat, der schaue nach
im Tagesordnungspunkt 21J vom 23.4.1989 der AR-HV in Essen.

Mit anderen Worten: Bei der gegenwaertigen Beschlusslage koennen die vor
zwei Wochen in Bebra auf der Referatstagung befuerworteten Broadcast-
Ausstiege seitens des DARC nicht an das BAPT weitergeleitet werden. Wir
wuerden ansonsten gegen einen AR-Beschluss verstossen, der PR zugunsten
von ATV bei 433 MHz ausschliesst. Die allgemeine Wetterlage hat sich
seit 1989 aber entscheidend gedreht. Es ist schade, dass nun eine "haus-
gemachte" Verzoegerung von mindestens einem halben Jahr eintreten muss.

Wir brauchen eine aktive Bandverteidigung auf 70cm, speziell im ISM-
Band. Ich bekomme im QRL fast taeglich Prospekte und Angebote fuer
Funkanwendungen bei 433 MHz auf den Tisch. Das reicht von Novell- oder
TCP/IP-LAN-Strecken bis zu Fernbedienungen von HiFi- und Digitalgeraet !
Ich raeume in diesem Zusammenhang fuer unseren Distrikt Schmalband-
Anwendungen eine deutlich hoehere Prioritaet und Wirksamkeit ein, als ATV.
Der Distrikt Nordrhein stuetzt ausdruecklich das gegenwaertige Konzept
von Broadcast-Anwendungen bei 433 MHz.

Um klare Verhaeltnisse zu schaffen, habe ich gestern den folgenden
Antrag zur kommenden Hauptversammlung des AR im Mai 1995 gestellt:

>  Der Amateurrat moege beschliessen:
>
>  Der Amateurrat laesst dem VHF/UHF/SHF-Referat freie Hand bezueg-
>  lich der Belegung des 70cm-Bandes mit digitalen Betriebsarten im
>  Rahmen eines nationalen Bandplanes und der Festlegung der
>  Modalitaeten der Koexistenz von ATV und Packet Radio in diesem
>  Band. Insbesondere wird der Amateurratsbeschluss 21J vom 23. April
>  1989 aufgehoben, dass Packet-Radio-Frequenzen bei 433 MHz grund-
>  saetzlich entfallen.

Begruendung:

Der ISM-Bereich 433,050 bis 434,790 MHz steht unter besonderem
Druck durch kommerzielle Anwender. Um nicht einen de-facto-
Verlust dieses Subbandes fuer den Amateurfunkdienst zu riskieren,
hat das VHF/UHF/SHF-Referat im Sommer 1994 einen Vorschlag zur
aktiven Belegung gemacht. Es sollen schon im Amateur-Satelliten-
funk bewaehrte digitale Broadcast-Protokolle zur Anwendung
gelangen, die fuer terrestrischen Amateurfunkverkehr hingegen
voellig neue Nutzungsmoeglichkeiten der Informationserlangung
(z.B. aus dem Mailboxnetz) eroeffnen. Details finden sich in
einem Papier von Johannes Kneip, DG3RBU, vom Sommer 1994. Der
sofortigen Umsetzung dieser Leitlinie steht formal ein Beschluss
des Amateurrates vom 23. April 1989 entgegen, wonach Packet-
Radio zum Schutz von ATV-Interessen bei 433 MHz nicht mehr
stattfinden darf.

Ich bin der Meinung, dass der Amateurrat dem zustaendigen Fachre-
ferat nicht unbefristet jeglichen Handlungsspielraum in der
Angelegenheit 433 MHz nehmen darf. Wir sollten die Entscheidung
ueber den fuer die Zukunft des 70cm-Bandes in DL enorm wichtigen
nationalen Bandplan allein in die Haende des VHF/UHF/SHF-Refera-
tes legen.

Mit vy 73,

Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ
Distriktsvorsitzender Nordrhein."

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Nach einem Vorstandsbeschluss sieht der Distriktvorstand Koeln-Aachen die
Lage anders. Die Betriebsart ATV sollte auf 70 cm erhalten bleiben. Der
Bereich von 433 - 435 MHz sollte in Hinsicht auf die zu erwartende
Moeglichkeit, in Zukunft in diesem Bereich Digital-Fernsehen in Farbe
uebertragen zu koennen, fuer ATV erhalten bleiben. Solange diese Technik
nicht zur Verfuegung steht, sollte dieser Bereich durch Schmalband-
Fernsehen belegt werden.
Der Redakteur hofft, dass der Amateurrat weiterhin die Interessen aller
Betriebsarten vertritt und nicht eine Betriebsart besonders bevorzugt.
(Manfred, DJ 1 KF)