Notizen zum Digital-ATV-Vortrag von DJ8DW am 10.01.95

Wegen der unlinearen Senderendstufen in TV-Satelliten kann dort
nicht mit OFDM (scharfbegrenzter Kanal mit vielen Einzeltraegern)
gearbeitet werden. Dort und bei DATV kann man besser mit QPSK,
d.h. 2Bit/s/Hz arbeiten und braucht dann fuer kleine Fehlerraten
nur 14 dB Signal-Rauschabstand. Waehrend bei Studioqualitaet
fuer 15 Mb/s ca. 7,5 MHz Kanalbreite erforderlich ist, reicht
fuer DATV mit MPEG1-Codierung (1,5 Mb/s) 600 bis 750 KHz!
In dem MPEG1-Datensignal ist Platz fuer zwei breitbandige
Tonkanaele (bis 10 KHz) und das niedrigaufgeloeste Bewegtbild
(352 x 288 Pixel). Durch die komplexe Rechenleistung im Decoder
ergibt sich eine Zeitverzoegerung von ca. 0,6 Sekunden, hinzu
kaeme bei Direktverbindungen der gleiche Effekt im Coder!
Bei der Entwicklung von DATV-Modulationsschaltungen sollte man
an Kompatibilitaet mit Datenraten in Packet-Radio, FAX und SSTV
denken und die Einzelheiten im IARU-Rahmen absprechen, ebenso
evtl. auftauchende Lizenzfragen.
Die heute schon erhaeltlichen MPEG1-Decoder fuer CD-Video sind
die letzte Stufe in der DATV-Kette, davor koennte moeglicherweise
der gerade fertigentwickelte DAB-Decoderchip eingesetzt werden,
wenn OFDM als Kanalcodierung gewaehlt wird.
Auf der Sendeseite ist z.Zt. mit groesserem Aufwand zu rechnen,
DL9MH schlaegt dazu die gemeinsame Ausschreibung eines Wettbewerbs
vor sowie die Gruendung einer Experten-Arbeitsgruppe fuer DATV.
An zentralen Teststandorten (z.B. Uni Wuppertal, WDR Koeln)
sollen schnellstmoeglich Sender aufgebaut werden, die zum Einen
effektive Bandbelegung erzeugen (z.Zt. 70cm-ISM-Band), zum Anderen
Ziele fuer die Empfangsversuche engagierter Amateure sind.
Bei OFDM-Codierung duerfen die Senderendstufen nur mit maximal
einem Viertel ihrer nominellen Ausgangsleistung belastet werden.
Auf Anraten von DL9MH sollte man sich nicht zu sehr auf das ISM-
Band als endgueltige DATV-Frequenz festlegen!
Tip zur Verdoppelung der Kanalkapazitaet: wie beim 34Mb/s-DTV-
Versuch in Langenberg kann mit Kreuzyagis und zwei Sendestufen
der Datenstrom auf Horizontal- und Vertikalpolarisation verteilt
werden bzw. spaeter mit zwei Bildkanaelen (Stereofernsehen)
gearbeitet werden.
 
Zusatzinfo nach einem Artikel im "New Scientist" Maerz 93:
Die "British Telecom" hat ein "Store and Forward"-System fuer
digitale Bewegtbilder entwickelt, das zur Verbesserung der
Bildqualitaet mit einem raffinierten Trick arbeitet. Fuer
kurze Nachrichtenbeitraege werden 2-Minuten-Stuecke analog
aufgezeichnet. Diese Signale werden dann digitalisiert mit
384 kbit/s und in einen Festspeicher geladen. Nach Anschluss
an eine ISDN- oder INMARSAT-Datenstrecke (64 kbit/s) wird
das Ganze ueber 12 Minuten Laufzeit mit 64 kbit/s ausgelesen
und im Studio mit einem gleichartigen Geraet abgespeichert.
Dort kann man dann mit 384 kbit/s wieder abspielen und den
zweiminuetigen Beitrag analog zurueckgewinnen. Wenn die
verwaschenen Bildwechsel und schnellen Bewegungen stoeren,
kann die Datenrate bei den Wandlungen auch auf 768 kbit/s
verdoppelt werden. Dann ist die Bildqualitaet merklich besser,
erfordert aber auch die doppelte Sendezeit (24 Min.).
Ich fuehle mich an meine ersten SSTV-Versuche erinnert...
 
73 Klaus, DL4KCK